Ein Italiener baut das Berliner Stadtschloss
Ein Italiener hat das Rennen gemacht: Francesco Stella aus Vicenza wird das Berliner Stadtschloss wieder aufbauen. Ein Mann also, der mit den Bauten Andrea Palladios groß geworden ist.
Nach Bekanntgabe der überraschenden Entscheidung herrschte in der grau verhangenen Hauptstadt gestern eitel Sonnenschein. Wilhelm von Boddien, der – erst belächelt, dann auch angefeindet – 15 Jahre lang für den Wiederaufbau des von der SED rüde gesprengten Barockbaus geworben hatte, war „überglücklich“, Jury-Präsident Vittorio Lampugnani nannte Stellas Entwurf „sehr schön, sehr stark, sehr mutig“, Kulturstaatsminister Bernd Neumann sprach von einem „fantastischen Bauwerk“, das Berlins Mitte krönen werde, und Bundesbauminister Tiefensee nannte Stellas Pläne ganz einfach „überzeugend“.
Wo Francesco Stella der Gewinner war, gab es naturgemäß auch Verlierer. Allen voran der Architekt Josef Paul Kleihues, der bis zum Ende als Favorit gehandelt worden war. An Kleihues ging einer der vier mit 30 000 Euro dotierten dritten Preise. Einen zweiten Platz gab es nicht. Stella erhält eine Siegerprämie über 100 000 Euro.
Der Wiederaufbau des Stadtschlosses beziehungsweise des mit drei rekonstruierten Fassaden ummantelten Neubaus soll 2010 beginnen. Bereits vier Jahre später soll das Humboldtforum fertig sein. Ein 40 000 Quadratmeter großes, mehr als eine halbe Milliarde Euro teures Gebäude, das die außereuropäischen Sammlungen Berlins sowie die Zentral- und Landesbibliothek aufnehmen wird.
Hamburger Abendblatt, 29.11.2008
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