Ein Desaster droht

Ein Desaster droht

Wie soll die Grünanlage an der Stelle des einstigen Schlosses und des bald gewesenen Palastes der Republik einmal heißen? Wir schlagen Schlossplatzgarten vor. Das hat etwas von Platz und etwas von Garten und etwas von Architektur, lässt also die Zukunft offen. Wenigstens die langfristige. Für die mittelfristige sind jetzt die Entwürfe vorgelegt worden.

Gemeinsam ist den drei ersten Entwürfen, dass sie baum- und schattenlos sind und kaum mehr Aufwand betreiben als die einst vom Senat geforderte „Tundra“-Begrünung mit Moosen und Gräsern.

Je unwirtlicher der neue Schlossplatzgarten wird, desto schneller verschwindet er – das ist die offensichtliche Hoffnung hinter dieser Wettbewerbsentscheidung des Senats. Die Bundestagsabgeordneten sollen mit der schlechten Übergangslösung unter Druck gesetzt werden, der Hauptstadt schnell eine neues Schloss zu spendieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Abgeordneten sich der Überwältigungsstrategie unterwerfen, ist minimal. Wir werden also voraussichtlich lange mit diesem neuen Garten im Zentrum Berlins leben müssen. Die jetzt ausgezeichneten Entwürfe strafen die Politiker für ihre Fantasielosigkeit im Umgang mit dem Palastrohbau – von Lust am Leben aber ist keine Spur zu sehen.
Berliner Zeitung, 27.09.2006