Die Stadt ist dabei

Die Stadt ist dabei

Wie sich im Herzen der Hauptstadt langsam die Konturen eines rekonstruierten Stadtschlosses abzeichnen, das versetzt immer wieder in Staunen. Es ist noch nicht lange her, da schien das Projekt mausetot. Es gab zwar mit der Idee eines „Humboldt-Forums“ ein allseits anerkanntes Konzept, aber die Sparrunden der Bundesregierung und des Landes Berlin machten es unmöglich, Ausgaben von geschätzten 600 Millionen Euro für ein Kulturschloss politisch zu vertreten.
Der Wunsch und Wille aber, die peinliche Leerstelle am zentralen Ort der Hauptstadt mit Würde und Ausstrahlung zu füllen, blieb auf allen Seiten so stark, dass man das Ziel nie aus den Augen verlor. Bauminister Wolfgang Tiefensee ließ eine baulich abgespeckte Variante für rund 480 Millionen Euro errechnen, und als die Konjunktur anzog, setzte er sich mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit zusammen, und man beschloss, die Kosten zu teilen. Nicht gerade brüderlich – der Bund zahlt 90 Prozent und die Stadt 10 Prozent. Aber dafür sollte Berlin auch nur ein Zehntel der 50 000 Quadratmeter bespielen.Diese Vereinbarung ist am Dienstag vom Berliner Senat bestätigt worden. Die Landesregierung will von ihrem Anteil 4000 Quadratmeter der Zentral- und Landesbibliothek geben sowie 1000 Quadratmeter den wissenschaftlichen Sammlungen der Humboldt-Universität. Beides soll zu den außereuropäischen Kunstsammlungen passen, mit denen die Stiftung Preußischer Kulturbesitz das „Humboldt-Forum“ dominieren wird.Die Linke im Berliner Abgeordnetenhaus hatte in Person des früheren Kultursenators Thomas Flierl zuletzt 12 000 Quadratmeter allein für die öffentliche Stadtbibliothek gefordert, wohl wissend, dass sie sich damit nicht durchsetzen würde, das gesamte, von ihr ungeliebte Projekt aber nochmals verzögern könnte. Mit dem gestrigen Votum ist es Klaus Wowereit gelungen, einen neuen Streit darüber zu verhindern. Wie genau die verschiedenen Inhalte des Bauwerks künftig miteinander in Beziehung treten, muss im Detail abgestimmt und in Raumfolgen übersetzt werden. Der Architektenwettbewerb wird derzeit vorbereitet. Das Kulturschloss kommt. Viel schneller, als alle dachten.
Die Welt, 27.06.2007