Die Schlossfassade bröckelt

Die Schlossfassade bröckelt

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Das Bauministerium meint es durchaus ernst mit dem Vorschlag, die Barockfassade nachzureichen. 80 Millionen von insgesamt 552 Millionen Euro veranschlagter Baukosten sollen von privaten Spendern für die Fassadenrekonstruktion aufgebracht werden. Der Förderverein Berliner Stadtschloss des Unternehmers Wilhelm von Boddien hat bislang rund 20 Millionen gesammelt. Die 60 fehlenden Millionen soll eine vom Bund gegründete Stiftung einsammeln.

Laut Boddien ist das Auftreiben des Geldes bis zur Fertigstellung 2017 „locker zu schaffen“. Der Bund plant das Humboldt-Forum derweil lieber ohne das private Geld: „Der tragende Bau wird so konzipiert, dass er wenn nötig auch vor der historischen Fassade fertig sein kann“, sagte Ministeriumssprecherin Vera Moosmayer der taz. Die Form der Fassade, die „nach und nach ihr historisches Gewand erhalten wird“, sei derzeit in Planung. Man könne sich auch eine „überwiegende Ausführung in Mauerwerk“ vorstellen, so Moosmayer.

In Berlin, das sich mit 32 Millionen Euro an dem umstrittenen Bauprojekt beteiligt, steht man einem langsamen Wachsen der barocken Gestalt grundsätzlich positiv gegenüber. „Wichtig ist, dass das Humboldt-Forum kommt“, sagte Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD). Der Inhalt sei wichtiger als die Fassade. „Ehrlichkeit und Qualität“ sei gefragt. Nackter Beton könne die Spendenbereitschaft fördern, dürfe aber nicht wie eine „Discountfassade“ aussehen.

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taz, 26.03.2010