Die PreußenStiftung in Not

Die Preußen-Stiftung in Not

Nikolaus Bernau

So absurd es klingt: Ausgerechnet die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die so reich und mächtig ist, befindet sich in finanzieller Not. Einer Not, die, wie auf der Jahrespressekonferenz der Stiftung deutlich wurde, kaum noch überdeckt werden kann von großen Ausstellungen wie der kommenden zum Werk Robert Campins und Roger van der Weydens, von Digitalisierungsunternehmungen, Auslands- und Forschungsprogrammen und internationaler Zusammenarbeit der Museen von Bogota bis Peking. Nach außen strahlen die Staatlichen Museen, die Staatsbibliothek, das Staatsarchiv, das Iberoamerikanische und das Musikforschungsinstitut. Aber wenn im März endlich das Neue Museum von den Bauleuten übergeben wird – im Oktober darf dann Nofretete hier ihr vorläufig letztes Quartier beziehen – stehen die Direktoren auch vor neuen, ungesicherten Betriebskosten.

Im nächsten Jahr, so gab Stiftungspräsident Hermann Parzinger bekannt, wird die Stiftung 251 Millionen Euro auszugeben. Davon sind knapp 160 Millionen feste Betriebsausgaben für Gehälter, Heizung oder Neuerwerbungen. Rund 91 Millionen sind Baugelder, für das heftig umstrittene neue Zentraldepot der Museen im fernen Vorort Friedrichshagen, für das Neue Museum und das Pergamonmuseum auf der Museumsinsel sowie für die Staatsbibliothek, deren Haus Unter den Linden im Juli 2010 ihren neuen Zentrallesesaal eröffnen wird. Aber auch Sanierungen in den Museumsbauten in Dahlem stehen an, die ja wenigstens bis zur Eröffnung des Humboldt-Forums – Parzinger kündigte hoffnungsfroh 2014 oder 2015 an – weiter als Ausstellungsbauten dienen müssen.

Zeitschriften-Desaster

Vom Bund kommen knapp 193 Millionen Euro, von den Bundesländern fast 34 Millionen. Macht zusammen 227 Millionen. Die Differenz zu den geplanten Ausgaben: fast 26 Millionen Euro. Nur mit Eintritts- und Lesekarten kann man das nicht erwirtschaften. Die Folgen der chronischen Unterfinanzierung sind längst spürbar, von einer aktiven Ankaufspolitik der Staatlichen Museen ist kaum noch die Rede und die Staatsbibliothek hat kürzlich 1 000 (!) naturwissenschaftliche und technische Fachzeitschriften abbestellen müssen, nur um weiter geisteswissenschaftliche Bücher erwerben zu können. Für eine Universalbibliothek mit Anspruch ist das ein Desaster. Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf kündigte aber noch härtere Kürzungen an. Auch die Idee, im Charlottenburger Langhansbau nach dem Auszug des Museums für Vor- und Frühgeschichte eine populäre Ausstellung zur Berliner Archäologie und Bodendenkmalpflege einzurichten, ist, offenbar aus Geldmangel, sang- und klanglos aufgegeben worden. Parzinger verwies vage auf irgendwann einmal stattfindende Verhandlungen mit dem Senat und der Stiftung Stadtmuseum; bis dahin steht das Haus wohl leer.

Im Übrigen hofft der Stiftungspräsident auf die Einsicht des Bundes und der Länder. Ein so großartiges Programm, wie man es für das Humboldt-Forum plane – Genaueres wird man ab Mai im Alten Museum zeigen – verlange eben auch große Geldmittel. Aber seit dem Finanzierungsabkommen von 1996, dass die Länderbeiträge zum Haushalt der Stiftung festschrieb, muss diese fast alle Tarifsteigerungen, neuen Betriebskosten und Neuanschaffungen selbst erwirtschaften. Hilflos steht die SPK also auch vor dem Ausbluten von Dahlem. Die einzigartigen Sammlungen außereuropäischer Kulturen vermelden nämlich einen Besuchereinbruch von 20 Prozent. Ob Sonderausstellungen über sicherlich hochspannende „Tuchintarsien“ die Frequentierung tatsächlich erhöhen, wie es der neue Museumsgeneral Michael Eisenhauer ankündigte, darf mindestens bezweifelt werden.

Berliner Zeitung, 31.01.2009