Die Pläne für das Schloss – die Ungewissheit bleibt

Die Pläne für das Schloss – die Ungewissheit bleibt

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Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, freut sich über den offenen Dialog mit dem Architekten und die zügigen Fortschritte: „Wir arbeiten mit Hochdruck weiter.“ Auch Claudia Lux, Generaldirektorin der Berliner Zentral- und Landesbibliothek, und HU-Präsident Christoph Markschies zeigen sich glücklich über die Ausarbeitung der Pläne. Sieben Prozent mehr Fläche, eine fast konstante Kostenschätzung (481 statt 480 Millionen Euro), ab 1. November wird die neue Schlossstiftung als Bauherr tätig – und die Zweifel an Stellas Wettbewerbs-Teilnahmeberechtigung sind restlos ausgeräumt. Was will man mehr.

Man reibt sich die Augen angesichts so vieler Luftschlösser. Sollen Fakten geschaffen werden durch unerschrockenes Weiterplanen, durch detailfreudige Konkretion? Juristen dürfte derart hochkarätige Autosuggestion kaum beeindrucken: Noch prüft das Oberlandesgericht Düsseldorf ja, ob Wettbewerbsverlierer Hans Kollhoff zurecht eine Klage angestrengt hatte. Ob Wettbewerbssieger Stella mit seinem kleinen Büro die Teilnahmebedingungen erfüllt und die Kooperation mit den Büros von gmp und Hilmer/Sattler vertraglich neu gestalten darf, wird sich am 2. Dezember erweisen. Vielleicht geht es tatsächlich so aus, wie Parzinger und Co. sich wünschen. Aber was, wenn nicht? Wer realisiert dann den Siegerentwurf? Oder ist er dann Makulatur? Einen Plan B hat keiner der Schlossherren in Arbeit. Und warum ist Franco Stella bei der Vorstellung der Pläne nicht dabei? Weil man, so die irritierende Antwort, im November zu öffentlichen Diskussionen einladen will, mit dem Architekten.

Auch mit den Kosten sieht es nicht ganz so rosig aus. Wenn die Bauzeit sich verlängert, ist eine Kostensteigerung unvermeidlich. Fast trotzig beharrt das Podium darauf, dass die zusätzliche Million ausreichen wird, um die Keller- und Fundamentausgrabungen in einem Lapidarium sichtbar und auch teilweise begehbar zu machen. Wenn aber das gesamte Schloss am Ende nach Schloss aussehen soll, dann wird es deutlich teurer.

Die historische Kuppel, ohne die die äußere Gestalt kaum wirklich historisch anmutet, ist mit 15 Extra-Millionen veranschlagt. Die Innenseiten der Portale sowie die Treppenhäuser schlagen mit je mindestens 30 Millionen Euro zu Buche. Das heißt: Die Deutschen bekommen so viel Schloss, wie sie fürs Schloss zu spenden bereit sind. Bleibt es bei den avisierten 80 Spenden-Millionen für die barocken Fassaden, gibt es „nur“ die vom Bundestag beschlossene rekonstruierte Außenhülle. Kommen 160 Millionen Euro zustande, gibt’s auch die Kuppel, und die Portale sehen nicht nur von außen, sondern auch von innen barock aus. Eine Spendenflut lässt bisher jedoch auf sich warten.

Das Schloss, so viel ist sicher, hat seine schwierigste Zeit noch vor sich. Jetzt bräuchte es einen gewieften Moderator und Experten für repräsentative BauGroßprojekte. Der neue Bundesbauminister heißt Peter Ramsauer: Der oberste Schlosserbauer ist ein CSU-Wirtschaftsmann und bayerischer Verkehrspolitiker. Auch seine Staatssekretäre Enak Ferlemann (CDU), Jan Mücke (FDP) und Andreas Scheuer (CSU) sind keine Leute vom Fach, sondern Parlamentarier, die sich laut Berufsbiografie eher mit Verkehrspolitik, Immobilien und Luftfahrt auskennen als mit Stadtgestaltung und Baudenkmalen. Höchste Zeit, dass der Kulturstaatsminister sich in die Schlossgestaltung einmischt. Herr Neumann, übernehmen Sie!

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Tagesspiegel, 27.10.2009