Die neuen Schloss-Pläne sind ein Schritt nach vorn

Die neuen Schloss-Pläne sind ein Schritt nach vorn

Noch steht alles unter einem juristischen Vorbehalt. Am 2. Dezember will das Oberlandesgericht Düsseldorf darüber entscheiden, ob der Vertrag des Bundesbauministeriums mit dem Schloss-Architekten Franco Stella Bestand hat. Der Berliner Architekt Hans Kollhoff hatte die Auftragsvergabe an den Italiener und seine Partnerbüros als undurchsichtig kritisiert und vom Kartellamt Recht bekommen.

Über den Einspruch des Bundesbauministeriums gegen diese Entscheidung muss nun das Oberlandesgericht befinden. Bis dahin sind die Verträge rechtskräftig, sagt das Bauministerium, und Franco Stella macht weiter, was er schon seit Monaten tut: Er überarbeitet seinen Entwurf in Zusammenarbeit mit den künftigen Nutzern, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit ihren außereuropäischen Museen, der Landesbibliothek und der Humboldt-Universität. Stellas neue Pläne wurden am Montag der Öffentlichkeit präsentiert.

Dass die Stiftung in Gestalt ihres Präsidenten Hermann Parzinger und das Bauministerium in Gestalt des scheidenden Staatssekretärs Engelbert Lütke Daldrup jetzt an die Öffentlichkeit gehen, liegt zum einen an der Bestätigung des Projektes durch die neue Bundesregierung, die sich in ihrem Koalitionsvertrag klar zum Humboldt-Forum bekannt hat.

Die Schloss-Bauer wollen außerdem aus der Defensive herauskommen, in die sie Kollhoffs Klage gedrängt hat, und sie wollen jenen Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen, die das Konzept des Humboldt-Forums als wenig konkret oder unausgereift bezeichnen.

Tatsächlich sind die nun vorgestellten, gründlich überarbeiteten Pläne ein großer Schritt nach vorn. An den entscheidenden Stellen ist Stellas Entwurf großzügiger geworden, die Anlage ist noch klarer, die architektonischen Details sind feiner, und auch die künftigen Hausherren loben die neuen Pläne als noch besser nutzbar.

Der jüngste Entwurf macht anschaulicher als jemals zuvor, wie dieses Humboldt-Forum im Inneren konkret aussehen und wie es funktionieren wird. Allerdings rechnen die Beteiligten mit einer längeren Bauzeit als bisher gedacht. Demnach dürfte das Schloss nicht 2014, sondern erst 2016 fertig werden.

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Ob nun 2016, 2017 oder vielleicht 2018 die letzte Buddha-Statue an ihrem Platz steht und der letzte Wappenschild in die Barockfassaden gesetzt wird – das sollte alle Beteiligten nicht allzu sehr kümmern bei einem Projekt wie diesem, das schon einen beträchtlichen Weg hinter sich hat und nach wie vor einen langen Atem braucht. Die jüngsten Pläne von Franco Stella jedenfalls machen Lust auf das neue Kulturschloss im Herzen Berlins.

Berliner Morgenpost, 26.10.2009