Die letzten Tage des Palasts
Jetzt ist sein Ende nahezu besiegelt – vom ehemaligen Palast der Republik am Berliner Schlossplatz zeugen nur noch eineinhalb Treppentürme. „Sie werden frühestens am kommenden Mittwoch und spätestens am Freitag abgerissen sein“, sagte Abrissprojektleiter Michael Möller.
Danach wird das Kellerbecken des Palastes mit 20 000 Kubikmetern Sand aufgefüllt. „Diese Arbeiten werden voraussichtlich bis Februar 2009 dauern“, sagte Möller. Die neue Fläche wird dann zunächst begrünt.
2010 kann dann am historischen Ort der Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses als Humboldt-Forum mit den barocken Schlossfassaden starten. Über den federführenden Architekten entscheidet die Jury an diesem Freitag.
In den letzten Tagen der Ruine dokumentieren Touristen aus aller Welt, wie der einstige DDR-Prestigebau („Palazzo Prozzi“), der Sitz der Volkskammer und Unterhaltungspalast war, verschwindet. Einen Steinwurf davon entfernt steht bis zum Schlossneubau die leuchtend blaue provisorische Kunsthalle, in der sich die Besucher drängen.
Mit den Abrissarbeiten an den Palastresten ist auch der erste Bauabschnitt für die Zwischennutzung des Schlossplatzes als Freizeitareal eröffnet worden. Gleichzeitig kann der Platz bis zum Baubeginn des Humboldt-Forums 2010 auch als archäologische „Fundgrube“ mit den freigelegten historischen Resten des Stadtschlosses und alter Klosteranlagen genutzt werden. Informationstafeln geben Auskunft über die Geschichte des Ortes, den Abriss des Palastes der Republik und die Planungen zum Humboldt-Forum an dieser Stelle. Außerdem informiert der private Förderverein über die historische Rekonstruktion der Schlossfassade des früheren Hohenzollernschlosses, dessen Kriegsruine 1950 in der DDR trotz in- und ausländischer Proteste gesprengt wurde. Auch eine offizielle Infobox ist am Schlossplatz noch geplant.
Bereits im Oktober war der benachbarte und nach altem Vorbild wiederhergestellte Schinkelplatz der Öffentlichkeit übergeben worden. Dort soll auch Schinkels Bauakademie wiederaufgebaut werden. Auch die Planungen für einen künftigen U-Bahnhof Schlossplatz der Linie vom Hauptbahnhof zum Alexanderplatz müssen an diesem Ort berücksichtigt werden.
Der benachbarte Sockel des ehemaligen Nationaldenkmals auf der sogenannten Schlossfreiheit wird als „herausgehobene Terrasse akzentuiert“ und steht „für kulturelle oder anderweitige Freizeitaktivitäten zur Verfügung“, wie die Senatsbauverwaltung betonte. Auf der Terrasse direkt an der Spree ist auch die Errichtung des vom Bundestag beschlossenen nationalen Einheits- und Freiheitsdenkmals geplant.
Werfen Sie einen Blick in die Vergangenheit des Palastes und die Zukunft des Schlossplatzes. Die Bildergalerie finden Sie unter www.morgenpost.de/berlin
Berliner Morgenpost, 24.11.2008
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