„Die Federführung liegt bei mir“
Am Rande eines Archäologenkongresses hat der italienische Architekt Franco Stella gestern erneut sein Unverständnis über die Entscheidung des Bundeskartellamtes bekundet, welches den zwischen ihm und dem Bundesbauministerium geschlossenen Vertrag für den Bau des Stadtschlosses für nichtig erklärt hatte. Er nannte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe »erstaunlich« und »ein unvorhergesehenes Nachspiel«, zeigte sich aber optimistisch, dass das Oberlandesgericht in Düsseldorf die bisherige Verfahrenspraxis bestätigen wird.
Stella verwahrte sich insbesondere gegen Anschuldigungen, er habe durch die Untervergabe von Aufträgen an zwei renommierte Architektenbüros die Projektkoordination aus den Händen gegeben. »Die Federführung des Projektes liegt allein bei mir«, sagte Stella, andere Architektengemeinschaften seien, gängiger Praxis folgend, für ihn ausschließlich als »Subunternehmer« tätig. Er sei beim Schlossbau definitiv der einzige Auftragnehmer des Bundes.
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Stella war nach Berlin gekommen, um an einem internationalen Expertengespräch zum Thema »Großstadtarchäologie und Innenstadtentwicklung in Europa« teilzunehmen, zu dem die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung eingeladen hatten. Dabei richtete sich der Fokus der Debatte auf die Frage, wie die Reste des alten Schlosskellers in das neue Humboldtforum integriert werden können. Nachhaltig wurde von den Konferenzteilnehmern für das Modell der »archäologischen Fenster« geworben, wie es in anderen europäischen Großstädten bei Neubauten auf historisch wertvollem Grund immer häufiger zur Anwendung kommt und das den Nutzern einen Überblick auf die Bauschichten vormaliger Generationen ermöglichen soll.
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Stella hatte die Wettbewerbsjury vergangenes Jahr auch deshalb überzeugen können, weil er als einziger der teilnehmenden Architekten in seinem Entwurf die Erhaltung der denkmalwürdigen Teile des Schlosskellers vorgesehen hatte.
Neues Deutschland, 17.09.2009
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