Die bunten Folgen von Bilbao
Im Pergamonmuseum wird gezeigt, dass Museen eine der spannendsten Bauaufgaben sind
Nikolaus Bernau
Ein Museum? Die dramatisch aufgefaltete, mit steiler Spitze in den Himmel ragende, von Daniel Libeskind entworfene Erweiterung des Denver Art Museums sieht eher aus wie eine gigantische dreidimensionale Version des Gemäldes „Gescheiterte Hoffnung“ von Caspar David Friedrich. Auch das Innere zeigt sich auf den Zeichnungen – sie sind im Rahmen der Ausstellung „Museen im 21. Jahrhundert“ ab heute im Pergamonmuseum zu sehen – wie ineinander gerammte Eisschollen, zwischen denen die Menschen lange Treppen aufsteigen und ganz tief in die weit über die Stadt kragende Spitze hineinsehen dürfen. Ein Raumkunstwerk, das man begehen möchte, aber auch ein Museum, in dem Objekte gesammelt, erforscht und gezeigt werden?
Diese Zackenwelt ist ein Teil jenes musealen Baubooms, den das Guggenheim-Museum in Bilbao von Frank Gehry 1996 auslöste. Kaum ein Direktor weltweit bis hinunter zu Leitern von Stadtmuseen, Gedenkstätten und Regionalsammlungen, der seither der Versuchung widersteht, mit einer neuen, möglichst dramatisch in die Stadt ausufernden Architektur einen Neuanfang der Institution zu signalisieren und neue Besucher anzulocken.
Früchte dieses Baubooms sind im Nordflügel versammelt. Die Staatlichen Museen haben die vom Baseler Art Centre und seinen rührigen Chefs Suzanne und Tierry Greub zusammengestellte Ausstellung übernommen und erheblich erweitert. Eigentlich kann man so bei einem Rundgang gleich mehrere Ausstellungen sehen, beginnend bei der Baseler Show mit ihrem Überblick über die internationale Museumsarchitektur.
(…)
Schließlich Berlin. Die Staatlichen Museen zeigen ihre Restaurierungskonzepte für die Museumsinsel, auch einige vage Tafeln zum Humboldt-Forum. Doch wie schwer, wie lastend, wie doktrinär erscheint neben den Plänen von Steven Holl für die Erweiterung des klassizistischen Nelson-Atkins Museums oder Allied Works Erweiterung des Michigan Museum of Art in Ann Arbor der Umbauplan von Oswald Mathias Ungers für das Pergamonmuseum. Zum ersten Mal sind auch David Chipperfields Pläne für den Eingangsbau zu sehen, der vor dem Neuen Museum entstehen soll. Und es wird ein hinreißend zierlich gearbeitetes Modell des Projekts gezeigt. Wie schon bei der Erstvorstellung vor einem halben Jahr fragt man sich, ob diese Zierlichkeit auch in der Ausführung bestehen bleiben kann.
Vor allem aber zeigt diese Ausstellung, wie bärenlangweilig die Idee ist, das Humboldt-Forum hinter einer rekonstruierten Schlosskulisse zu verbergen. Schon der Blick auf Jean Nouvels neues, eng mit der historischen Stadt verzahntes Völkerkundemuseum in Paris zeigt, dass man mit etwas Wagemut mehr erreichen kann als die Berliner sich vorgenommen haben. Und der Vorwurf, moderne Architekten seien gar nicht in der Lage, ein Schlüter vergleichbar raffiniertes Stadt- und Raumkunstwerk zu entwerfen, entlarvt sich hier als blanker Unsinn.
Museen im 21. Jahrhundert. Ideen, Projekte, Bauten. Bis 25. Mai, Pergamonmuseum Nordflügel.
Berliner Zeitung, 11.03.2008
Deutsch
English
Francais
