Die Barockbaustelle

Die Barockbaustelle

Man muss nur ein paar Kerzen aufstellen und das Licht dimmen, dann kommt Leben in die Welt des Matthias Körner. Adler blicken grimmig aus einem Regal auf ihn herab mit mächtigen Schwingen. Neben dem großen Atelierfenster stürmt ein antiker Krieger mit aufgerissenen Augen auf ihn zu, an der Wand schweben überlebensgroße Gestalten mit Engelsflügeln. Körner genießt das Ambiente. Es gibt ihm Kraft durchzuhalten bei seiner Herkulesaufgabe, seinem Lebenswerk. Der Bildhauer, 55, arbeitet am Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses. Er gibt dem Bau ein Gesicht.

Mit zwei Kollegen modelliert Körner in den Uferhallen in Gesundbrunnen originalgetreu hunderte Ornamente, Kapitelle, Konsolen und Figuren aus Ton. Einst schmückten diese Objekte die barocken Schlossmauern. Nun werden sie als Nachbildungen erst in Ton geformt und danach in Gips abgegossen, um später, bei der geplanten Rekonstruktion der Nord-, West- und Südfassaden des Schlosses sowie des Schlüterhofes den Steinbildhauern als Vorlage zu dienen. Denn Steinmetze sollen Körners Welt in sächsischen Elbsandstein hauen.

Koordiniert und mit Spendengeldern bezahlt werden die „vorbereitenden Arbeiten“ in Gesundbrunnen durch den Förderverein Berliner Stadtschloss.  

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„Die Preußenkönige des 18. Jahrhunderts liebten römische Paläste. Sie holten sich mit dem Schloss einen Palazzo nach Berlin“, sagt Körner. Ein Jahrhundertwerk, das die Bildhauer heute kein bisschen weniger fasziniert. „All diese großartigen künstlerischen Details sind wichtig für das Spiel in der Fassade“, sagt Eckhart Böhm.

Für den 34-jährigen Steinbildhauer und Restaurator passt die Gliederung der Fassade perfekt zu Berlins historischer Mitte. Eben versucht Böhm, den Stoff eines Bandes am Helm eines Kriegers behutsam zu modellieren. „Wir schaffen hier kein Disneyland, wir erhalten all diese Werte für künftige Generationen.“

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Tagesspiegel, 22.11.2009