Die Architekten haben das Wort
Die barocke Schlossfassade galt als gesetzt. Gut, dass das im Bundesbauministerium nicht jeder so sieht.
Auf den Versuchsballon folgte das Dementi stehenden Fußes. „Ich denke, wir werden im Wettbewerb eine Spannbreite von Entwürfen bekommen“, sagte der Staatssekretär im Bauministerium, Engelbert Lütke-Daldrup, zur Frage der Fassade am künftigen Humboldt-Forum. Stimmt auf keinen Fall, rückte ein Ministeriumssprecher zurecht. Geplant sei, drei barocke Fassaden zu rekonstruieren, lediglich die Ostseite könnte modern gestaltet werden. Alles bloß ein Fall fürs Spätsommerloch?
Gewiss nicht. Interessanter als das Dementi ist die Frage, an wen sich Lütke-Daldrup mit seinen Äußerungen im Deutschen Architektenblatt gerichtet hat – nämlich an die Architektenschaft des Landes. Und die schaut weniger auf die politische Debatte im Bundestag als vielmehr auf den Ausschreibungstext für den Architektenwettbewerb, der noch in diesem Jahr ausgelobt werden soll.
Entscheidend für diesen Wettbewerb wird sein, wie präjudizierend oder aber wie ergebnisoffen das Kleingedruckte formuliert sein wird. Eine bloße Rekonstruktion der Fassade, auf der der Bauminister und der Kulturstaatssekretär beharren, ist für Architekten so spannend wie für den Kunststudenten eine Fälschung der Mona Lisa. Eine zeitgemäße Interpretation des Themas Humboldt-Forums mit der Geschichte des Ortes dagegen wäre eine Herausforderung.
Lütke-Daldrups Interview im Architektenblatt ist deshalb die Aufforderung eines Schlossskeptikers an die Architektenschaft: Zeichnet nicht nur tolle Entwürfe für die Feuilletons, nehmt auch am Wettbewerb teil! Noch ist nichts entschieden.
taz, 21.09.2007
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