Der neue Goethe-Präsident
Klaus-Dieter Lehmann soll 2008 die Nachfolge von Jutta Limbach antreten.
Die Pläne für eine umfassende Reform des Goethe-Instituts, so hört man, lagen bereits seit vielen Monaten in der Schublade. McKinsey untersuchte die Münchner Zentrale schon seit Längerem nach Einsparmöglichkeiten. Am vergangenen Freitag beschloss das Präsidium dann eine Umstrukturierung, die nicht alle glücklich stimmte. 50 Stellen dort sollen entfallen, von insgesamt 280 Positionen. München ist nun nicht mehr der Nabel der Goethe-Welt, Finanzierung und Personalentscheidungen sollen künftig stärker in die Hoheit der einzelnen Institute in aller Welt verlagert werden. Die gute Nachricht daran: Bürokratie kann durch Eigenverantwortung ersetzt werden. In nur zwei Jahren, bis 2009, soll dieses recht ehrgeizige Ziel erreicht sein.
Jede Reform braucht ihren eigenen, starken Mann, und so gibt es für diese „Dezentralisierungs“-Mission eine neue Personalie: Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin, wird neuer Präsident des Goethe-Instituts. Der bereits 67-Jährige soll am 1. März 2008 – direkt nach seinem Ausscheiden als Stiftungspräsident – nahtlos die Nachfolge von Jutta Limbach antreten. Wie Lehmann gestern selbst bestätigte, hat sich das Präsidium einstimmig über den Wechsel verständigt. Seiner Berufung muss nun nur noch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zustimmen. Jutta Limbach, die frühere Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, steht seit 2002 an der Spitze des zuvor von Hilmar Hoffmann geleiteten Goethe-Instituts.
Die Wahl Lehmanns ist zweifellos eine glänzende Entscheidung. Seit 1999 steht der hoch angesehene Mann an der Spitze der größten und wichtigsten deutschen Kulturinstitution in Berlin, mit 17 Museen und der Staatsbibliothek; 2400 Mitarbeiter gehören dazu. Lehmann war es, der die Initialzündung gegeben hat für die Vereinigung der beiden Bibliotheken Leipzig und Frankfurt/Main zur Deutschen Nationalbibliothek. Bis 1986 war er Bibliotheksdirektor der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main und als Direktor der Fachhochschule für Bibliothekswesen tätig. Bei der Neustrukturierung des Goethe-Instituts mit seinen 142 Einrichtungen in derzeit 81 Ländern und einem Gesamtbudget von 250 Millionen Euro sind nun vorrangig Managerqualitäten gefragt, aber auch internationale Beziehungen und vor allem Fingerspitzengefühl für diplomatischen Umgang in heiklen oder sensiblen nationalen Belangen. Wenn es um Kultur – und im Kern ja um Kunst – geht, wer sollte einen besseren Missionar abgeben als Lehmann, dem Begriffe wie Budgetierung, Betriebsorganisation und Synergie wahrlich keine Fremdwörter sind. Für die Staatlichen Museen regte er – nach US-Vorbild – die Gründung einer externen Betriebs-GmbH an, die sich um das Erschließen von Geldquellen und Marketing kümmert. Ihm ist es gelungen, die Museumskomplexe Ost und West zusammenzuführen, der Museumsinsel mit ihren zahlreichen Sanierungen und dem Chipperfield-Neubau eine tragfähige Struktur für die Zukunft zu geben. Das Konzept für das künftige Humboldt-Forum am Schlossplatz umreißt er in fließenden Linien als ein humanistisches „Lehrhaus“ von Museum und Universität.
In einem Leitartikel „Kultur und Politik“ hatte Außenminister Steinmeier erst am Donnerstag seine Überlegungen zum Trendwechsel in der auswärtigen Kulturpolitik dargelegt. Wenn er schreibt, dass das Goethe-Institut möglichst „vielen Partnern eine Plattform“ werden muss, dann liest sich das beinahe wie von Lehmann. Wenn dieser in einem Jahr sein Amt antritt, weiß er, was er zu tun hat: Sparen heißt die Devise. Aber das kennt er ja bereits aus Berlin.
Berliner Morgenpost, 02.07.2007
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