Der Bund gründet eine Stadtschloss-Stiftung

Der Bund gründet eine Stadtschloss-Stiftung

Bislang war der Förderverein „Berliner Schloss“ allein damit befasst, Spenden für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschloss‘ zu sammeln. Nun wird aber auch der Bund eine Stiftung gründen, um Spenden einzuwerben und die Bauherrschaft zu übernehmen.

Bauherr für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses und den Bau des Humboldtforums wird eine Bundesstiftung. Das Bundeskabinett wird die Gründungspläne des Bundesbauministeriums voraussichtlich am 22. April beschließen. Vorbild ist die privatrechtliche Stiftung zum Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden. Die Stiftung „Berliner Schloss – Humboldtforum“, deren Funktion neben der Bauherrenschaft auch das Einsammeln von Spenden für die Gestaltung der barocken Schlossfassaden sein wird, soll nach Angaben des federführenden Bundesbauministeriums im Juni/Juli ihre Arbeit aufnehmen.

Damit wird umgesetzt, was bereits seit Monaten in der Planung ist. Am 20. November des vergangenen Jahres brachte der Haushaltsausschuss des Bundestages die Stiftungsgründung auf den Weg, als er 1,5 Millionen Euro als Startkapital zur Stiftungsgründung im Haushalt einstellte. „Sobald das Kabinett die Gründung der Stiftung beschlossen hat, werden diese Mittel freigegeben“, sagte die haushaltspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Petra Merkel. Dass die Stiftungsgründung letztlich auch Bedenken geschuldet sein könnte, dass der Förderverein „Berliner Schloss“ von Wilhelm von Boddien die zugesagten und eingeplanten Spenden von 80 Millionen Euro für die Fassadengestaltung nicht zusammenbekommt, wies die Sprecherin des Bundesbauministeriums, Vera Moosmayer, zurück: „Wir wissen das Engagement von Herrn von Boddien sehr zu würdigen. Die Stiftung wird keine Parallelveranstaltung.“

Für Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) soll die Stiftung als „tragfähiges gemeinsames Dach, unter dem sich die am Bau des Humboldtforums Beteiligten auf Augenhöhe versammeln“, fungieren. „Damit schaffen wir maximale Transparenz und Effektivität in den Entscheidungen. Über die Stiftung kann der Bund die Spenden der privaten Initiativen entgegennehmen und das großartige Engagement ergänzen, indem er selbst Spenden einwirbt“, so Tiefensee. Die beiden für den Schlossbau notwendigen Grundstücke im Eigentum des Bundes und des Landes Berlin werden der Stiftung übertragen. Das Stiftungskapital soll 250.000 Euro betragen. Ob die Stiftung auch künftig als Betreiberin des Humboldtforums fungiert, ist noch offen, aber durchaus möglich, so Moosmayer. Laut Kabinettvorlage aber soll die Stiftung nicht die Funktion einer Generalintendanz übernehmen.

Der Stiftungsrat wird sich im Juni konstituieren und die geplante Doppelspitze der Stiftung ernennen. Namen potenzieller Anwärter für den Stiftungsvorstand gebe es noch nicht, sagte Moosmayer. Dem Stiftungsrat gehören fünf vom Bundestag benannte Mitglieder, drei von der Bundesregierung entsandte Vertreter und zwei des Landes Berlin sowie vier der künftigen Nutzer Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Zentral- und Landesbibliothek und Humboldt-Uni an. Der Geschäftsführer des Fördervereins „Berliner Schloss“, Wilhelm von Boddien, begrüßte die Gründung der Bundesstiftung. „Darauf haben wir lange gewartet“, sagte Boddien. „Jetzt haben wir endlich einen Partner, wo wir unsere Spenden abgeben können.“ Spendenrechtlich sei bisher nicht klar gewesen, wo das vom Förderverein für die Gestaltung der Fassaden eingesammelte Geld hätte eingezahlt werden können. Boddien ist Initiator des Wiederaufbaus des Berliner Schlosses und will 80 Millionen Euro für die Gestaltung der historischen Fassaden über Spenden aufbringen.

„Wir sind nach wie vor im Wort und werden das Geld bis 2015/16 zusammenbekommen“, sagt Boddien. Derzeit seien 10,5 Millionen Euro gesammelt, und der Verein habe Zusagen über gut sieben Millionen Euro.

Die Welt, 14.04.2009