Das Stadtschloss nimmt Formen an

Das Stadtschloss nimmt Formen an

Bildhauer Matthias Körner modelliert Figuren für historische Fassade.

Das neue Berliner Stadtschloss ist inzwischen kein Luftschloss mehr, denn an der Fassade wird schon gearbeitet. In einer Werkstatt in Pankow entstehen die Modelle für dieses Vorhaben. Es ist ein gewaltiges Projekt, auch für die beteiligten Handwerker und Künstler. „So etwas ist in den vergangenen Jahrzehnten in Europa noch nie gemacht worden“, sagt Bildhauer Matthias Körner (52).

Von 2010 bis 2013 soll im Herzen der Hauptstadt das Stadtschloss unter dem Namen „Humboldt-Forum“ entstehen – die Bundesregierung gab kürzlich die endgültige Genehmigung. Investitionssumme: 480 Millionen Euro. Das Geld für die Fassaden, 80 Millionen Euro, soll durch Spenden zusammenkommen, ähnlich wie beim Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden. Das Berliner Schloss wird nach vorliegenden Plänen 167 Meter breit, 117 Meter tief und 32 Meter hoch, deutlich größer als der Palast der Republik.

In Körners Werkstatt werden Modelle für die drei barocken Fassaden gefertigt, die Ostseite wird möglicherweise modern gestaltet. „Wir modellieren Prototypen“, erklärt der Künstler. So dominieren eine Frauenfigur aus Ton, und ein Kolossalkapitell, ein prächtig verziertes Säulenteil, den Raum.

Es gibt viel zu sehen: preußische Adler, Porträtbüsten, Mini-Modelle, Fotos, Besen, säckeweise Gips, Staffeleien, ein Grundriss. Werkzeuge wie Hammer, Meißel, Kratzer und Schlägel liegen für Körner und seinen Partner griffbereit. Körner schildert geduldig, was für ihn den Reiz des Schlosses ausmacht: Baumeister Andreas Schlüter, der sich vor rund 300 Jahren von einem Palazzo in Rom inspirieren ließ, habe „Klassik im Barock“ entworfen und verbinde „Anmut mit Grazie“.

Gewaltige Portale, rund 350 Ornamente, vom Wappen bis zum Widderkopf, 1000 Konsolen und Löwenköpfe sowie mindestens 40 riesige Figuren: Das Projekt wird etwa 80 Bildhauer brauchen, schätzt Körner, der für den Förderverein Berliner Schloss arbeitet. Allein an einer der drei Meter hohen „Kolossalfiguren“ arbeitet ein Bildhauer ein Jahr lang. Die Rekonstruktion soll nicht „rückwärts gewandt“ sein. Seine Vision ist, dass Geschichte und Baukunst nachvollziehbar sind.

Auch wenn das Forum 2013 fertig sein soll: Die Fassadenarbeiten könnten laut Körner eine ganze Generation brauchen, bis sie im Detail fertig sind. In Berlin soll eine zentrale Bildhauerwerkstatt entstehen. Noch fehlen dem Förderverein rund 65 Millionen Euro. Geschäftsführer Wilhelm von Boddien hofft, dass besonders nach Baubeginn das Geld fließt. Er erinnert an die Frauenkirche: „Das Geld kam, als die Leute sahen, was sie für ihr Geld bekommen.“
Berliner Morgenpost, 19.07.2007