Das Schloss kommt später

Das Schloss kommt später

Der Schlossplatz in Berlins Mitte wird sehr viel länger eine Baustelle bleiben als bislang geplant. Der Staatssekretär im Bundesbauministerium Engelbert Lütke Daldrup sagte gestern bei der Vorstellung der überarbeiteten Pläne, er gehe davon aus, dass der Wiederaufbau des Schlosses erst im Jahr 2016 abgeschlossen sein werde. Der ursprünglich angepeilte Fertigstellungstermin 2014 wäre zwar zu erreichen, doch dann müsste man sich bei der Rekonstruktion der Fassaden „sehr beeilen“. Aus Sicht der Planer könnten die Bauarbeiten im Herbst nächsten Jahres oder im Frühjahr 2011 starten. Realistisch sei dann eine Bauzeit von fünf bis sechs Jahren. Dass das Schloss unter dem Namen Humboldt-Forum gebaut wird, hatte die künftige Koalition von Union und FDP zuvor vereinbart. Das Gebäude soll als Museum, Bibliothek und kultureller Veranstaltungsort genutzt werden.

Die überarbeiteten Pläne des Architekten Franco Stella sehen vor, dass im künftigen Eosanderhof ein deutlich größerer Raum für Veranstaltungen entsteht als bislang geplant. Er soll bis zu 2 000 Personen Platz bieten. An der Ostseite des Humboldt-Forums erhalten die Zentral- und Landesbibliothek und die staatlichen Museen mehr Raum. Ziel ist überdies, die freigelegten Reste der Schlosskeller zu integrieren.

Der Bau des Schlosses lässt sich laut Lütke Daldrup für die veranschlagten 480 Millionen Euro realisieren. Darin enthalten ist die Rekonstruktion der Barockfassaden an der Nord-, West- und Südseite des Schlosses sowie im Schlüterhof, wie vom Bundestag beschlossen. Sollte es darüber hinaus Wünsche für die Rekonstruktion weiterer Gebäudeteile geben, würden weitere Kosten anfallen, sagte Lütke Daldrup. So würde der Bau der Kuppel nach historischem Vorbild zusätzliche Kosten von zirka 15 Millionen Euro verursachen, die Rekonstruktion historischer Treppen schlüge mit mindestens 30 bis 35 Millionen Euro zu Buche und der Wiedereinbau der Innenportale nach historischem Vorbild würde 30 bis 40 Millionen Euro kosten. Zu den reinen Baukosten von 480 Millionen Euro und den Kosten für die Ersteinrichtung von 72 Millionen Euro kämen dann noch einmal bis zu 90 Millionen Euro hinzu.

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Berliner Zeitung, 27.10.2009