Das Haus ist der Star

Das Haus ist der Star

Doppelter Parsifal: Die Staatsoper zeigte zu ihrem 50. die Wagner-Oper auch im Palast der Republik

Opernkarten sind teuer. Richard Wagners „Parsifal“ gab’s am Sonntag gratis. Zum Jubiläum „50 Jahre Wiederaufbau“ spendierte die Staatsoper mit Unterstützung eines Sponsors eine Übertragung der Jubiläumsvorstellung der Wagner-Oper in der Inszenierung von Filmregisseur Bernd Eichinger in den Palast der Republik. In dem längst zum coolen Event-Ort gewandelten ehemaligen DDR-Renommierbau konnten sich rund 800 Besucher die Oper auf einer Großleinwand ansehen.
Für einige Ehrengäste war dieser Abend eine besondere Herausforderung. Das lag schon mal an der schieren Länge – sechseinhalb Stunden mit Pausen -, aber auch am Hin und Her. Einige von ihnen trafen sich nämlich zunächst zu einem Empfang im Palast. Dort kämpften sich Eichinger, Regisseur Helmut Dietl und Produzent Oliver Berben (wie zuletzt immer in Begleitung von Schauspielerin Bettina Zimmermann) durch die leise vor sich hintropfende Ruine. Ihr Ziel war ein angesichts des rostigen Ambientes grotesk aufgemotzter Saal ganz in Weiß, in dem der Parsifal zeitversetzt übertragen wurde. Zumindest Dietl gefiel der Kontrast. „Das ist ein tolles Haus, ein Denkmal. Vielleicht kann man es ja doch stehen lassen.“
Übrigens: Wie sehr Wagner tatsächlich die Maßstäbe setzte, konnte man nicht zuletzt an dem Andrang vor der Tür ablesen. Hunderte warteten auf dem Schlossplatz – in der Hoffnung, dass einem der Glücklichen im Saal die schlechte Luft zu schlecht werden und er seinen Platz noch räumen würde.

Während des Wartens konnten die Opernfreunde vor dem Palast-Zaun den Aktivisten der Initiative „Palastretter“ beim Pinseln von Transparenten zuschauen, mit denen diese für den Erhalt des Gebäudes demonstrierten.

Berliner Zeitung, 12.09.2005