Das Ei des Palastes

Das Ei des Palastes

Nach dem Abriss. Der Schlossplatz soll begrünt werden. Verspielt Berlin die Chance auf einen Ort für zeitgenössische Kunst?

Während die Idee einer temporären Kunsthalle auf dem Schlossplatz wieder vorgebracht wird, zu deren Unterstützer-Kreis bisher 130 Personen zählen, wird anderweitig befürchtet, dass eine gegenwartsbezogene Nutzung den Schlossplatz noch einmal neu definiert und die bisherigen, noch recht diffusen Nutzungskonzepte nicht unberührt bleiben. Wilhelm von Boddien vom Förderverein Berliner Schloss ahnt es und wehrt sich vehement gegen die Kunsthallen-Pläne. Den Sieger-Entwurf für die Grünfläche findet er „hervorragend, weil erkennbar ist, dass es sich um ein Provisorium handelt. Jede aufwändigere Lösung“, so fürchtet er, „könne dazu führen, dass die Zwischenlösung endgültig wird.“

Auf dem Schlossplatz hat sich die Geschichte in sich selbst verkeilt. Doch vor seinem Tod hat sich der Palast der Republik, das Vorzeit-Monster aus Glas und Stahl, noch ein Ei gelegt: den White Cube. Mal sehen, was daraus schlüpft.
Tagesspiegel, 24.10.2006