Das alte Herz Berlins
Mehr als ein Jahrzehnt war der Wiederaufbau des Berliner Schlosses umstritten – Zweifel an der Finanzierung des Großprojektes dominierten. Doch der Durchbruch scheint geschafft. Spätestens in drei Jahren soll Baubeginn sein.
…Wilhelm von Boddien, der wohl einflussreichste Fürsprecher des Wiederaufbaus und Geschäftführer des Fördervereins Berliner Schloss, ist davon überzeugt. „Ich bin nicht nur optimistisch“, sagt der Hamburger Kaufmann. „Ich bin sicher, dass jetzt das Projekt auf die Schiene gesetzt wird.“
Im April wird der Architektenwettbewerb ausgelobt. 2010 soll Baubeginn sein, schon drei Jahre später könnte das neue Schloss in der Kubatur des alten Gebäudes stehen.
…Mit dem Humboldt-Forum liegt endlich ein überzeugendes Konzept vor. Eine rein kulturelle Nutzung, lautet die neue Devise. Pläne für eine Tiefgarage und ein Hotel sind vom Tisch. Entstehen soll eine einzigartige Kulturlandschaft. Ein Ort, an dem außereuropäische Kultur der Neuen Welt und europäische Kultur der Alten Welt zusammentreffen.
Zusammen mit der Museumsinsel könnte Berlin sich mit einem weltweit einmaligen Ensemble schmücken. Ein visionäres Projekt, das der Stadt einen „anderen Auftritt gibt“, wie von Boddien meint, und viele Touristen anlockt. Doch auch die DDR-Geschichte soll nicht einfach ausradiert werden. An der Spree-Seite sollen Architekten „Erichs Lampenladen“ zitieren.
Als entscheidendes Signal werten Befürworter, dass sich jüngst der Bundesbauminister öffentlich für das Projekt begeisterte. Von einem „Schaufenster des Weltwissens“ schwärmte Wolfgang Tiefensee. „Es geht um Begegnung, um einen Marktplatz der Debatte, um ein Forum des demokratischen Diskurses.“ Kanzlerin Angela Merkel steht hinter dem Wiederaufbau und auch Finanzminister Steinbrück signalisiert Unterstützung.
Selbst im Ausland stößt das Projekt auf Sympathie. Bei einem Amerika-Besuch hat von Boddien Anfang dieses Jahres großes Interesse in einflussreichen Spender-Kreisen festgestellt, die auch für die Frauenkirche Millionen gespendet haben. „In Berlin bahnt sich ein neues Weltwunder der Kultur an“, meint Neil McGregor, Generaldirektor des British Museum. Briten neigen selten zur Übertreibung.
Kieler Nachrichten Journal, 10.03.2007
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