Chipperfield kritisiert Vorgaben für Berliner Stadtschloss

Chipperfield kritisiert Vorgaben für Berliner Stadtschloss

Berlin – Der britische Stararchitekt David Chipperfield hat heftige Kritik an den Vorgaben des Bundestages für den teilweisen Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses geübt.

Das Parlament habe sich leider auf eine Rekonstruktion festgelegt, «die haben sehr genau definiert, was passieren soll», sagte Chipperfield in einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel». «Das ist das eigentliche Ärgernis. Mich stört, dass da quasi ein biblisches Gebot erlassen wurde, das alle weiteren Diskussionen abwürgen soll.»

Chipperfield, der zurzeit das Neue Museum auf der Berliner Museumsinsel wieder aufbaut, sitzt auch in der Stadtschloss-Jury, die den Architekten-Wettbewerb für das neue Humboldt-Forum auf dem Berliner Schlossplatz begleitet. Die Wettbewerbsausschreibung ist jetzt auch auf der Homepage des Bundesbauministeriums nachzulesen. Darin heisst es aufgrund des Bundestagsbeschlusses, der 552 Millionen Euro teure Neubau des Humboldt-Forums an der Stelle des 1950 gesprengten Berliner Schlosses solle sich an den räumlichen Ausmassen des ehemaligen Schlosses orientieren. Außerdem solle er die Wiedererrichtung der barocken Fassaden an drei Seiten und auch des historischen Schlüterhofes vorsehen. «Die Realisierung soll kurzfristig erfolgen.»

Der Baubeginn ist bereits für 2010, die Fertigstellung bis 2013 geplant.

Chipperfield hätte es lieber gesehen, wenn man sich für das Projekt «weitere zehn Jahre Zeit» genommen hätte, wie er jetzt im «Spiegel» sagte. «Aber das passt offenbar nicht zur deutschen Mentalität. Die Deutschen finden ja wohl nicht in den Schlaf, solange diese Lücke mitten in Berlin nicht geschlossen ist.» Seiner Ansicht nach müsse es in der Architektur «mehr geben dürfen als ein entweder Alt oder Neu». Die Sprache der Architektur lasse viele Variationen zu.

Der kulturpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Michael Braun, meinte dazu am Freitag, wenn Chipperfield mit den Vorgaben des Bundestages nicht einverstanden sei, «möge er seinen Sitz in der Jury zur Verfügung stellen, niemand in Deutschland wird gezwungen, an der Gestaltung der historischen Mitte der deutschen Hauptstadt mitzuwirken, wenn es ihm nicht passt». Chipperfield habe vorher gewusst, mit welcher Aufgabenstellung diese Jury betraut worden ist.

© 2007 dpa – Deutsche Presse-Agentur

Der Spiegel / dpa 22.12.2007