Chance für eine neue Debatte: Jury-Chef Lampugnani zum Schloss-Eklat
Herr Lampugnani, in der Schloss-Debatte kehrt keine Ruhe ein: Erst gab es Streit um die Rekonstruktionsvorgabe, dann wurde bezweifelt, ob der Wettbewerbssieger Franco Stella die Teilnahmebedingungen erfüllt, und nun hat das Kartellamt den Vertrag mit Stella gekippt. Raufen Sie sich nicht langsam die Haare?
Ich finde es sehr bedauerlich, dass juristische und eher kleinliche administrative Fragen ein so zentrales kulturelles Projekt wie das Berliner Schloss überschatten. Sollte es zu einem zeitlichen Aufschub kommen, wäre dies jedoch ein guter Anlass, das Thema Schloss und Rekonstruktion noch einmal gründlich zu reflektieren. So könnte man aus der unglücklichen Situation etwas Positives gewinnen, nämlich eine erneute kulturelle Auseinandersetzung. Ich habe als Juror die Aufgabenstellung immer respektiert, aber nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich nicht ganz glücklich mit ihr war.
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Ein zentraler Kritikpunkt des Kartellamts ist die vom Bauministerium nicht erfolgte Überprüfung von Franco Stellas Angaben über die Größe seines Architekturbüros.
Ich weiß nicht, ob Franco Stella die Teilnahmebedingungen erfüllt, es war auch nicht unsere Aufgabe als Jury, das zu überprüfen. Wir durften davon ausgehen, dass es mit der Teilnahme seine Richtigkeit hat. Es ist leider generell so, dass Jurys von großen Wettbewerben zunehmend mit bürokratischen Problemen belastet werden. Ihre Souveränität wird immer stärker eingeschränkt, weil sie wegen Kleinigkeiten mit nachträglichen Beschwerden rechnen müssen. Das ist ein beträchtliches Handicap für das Wettbewerbswesen, und es schadet der Baukunst.
Tagesspiegel, 16.09.2009
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