Bund beschließt Stiftung für Berliner Stadtschloss
Die neugegründete Schloss-Stiftung des Bundes wird Bauherrin des Humboldt-Forums. Sie soll auch rund 80 Millionen Euro Spenden-Gelder für die Rekonstruktion der Barockfassade einwerben. Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee ist zuversichtlich, dass die Finanzierung steht.
Die Bundesregierung hat am Mittwoch grünes Licht für die „Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum“ gegeben und damit einen „symbolischen Grundstein“ für das Jahrhundertbauwerk gelegt.
Die Stiftung soll Bauherr für das vom Bund finanzierte Berliner Stadtschloss werden. Es soll rund 550 Millionen Euro kosten und von 2010 bis 2013/2014 errichtet werden. Sie soll auch die eingeplanten 80 Millionen Euro Spenden für die Rekonstruktion der Barockfassade des einstigen Hohenzollernschlosses sammeln und eine ständige Ausstellung „Historische Mitte Berlin“ organisieren.
Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) zeigte sich überzeugt davon, dass die geplanten 80 Millionen Euro Spenden mit Hilfe des privaten Fördervereins zusammenkommen. „Ich bin fasziniert davon, dass der Förderverein so viele Spenden und so viele Zusagen eingesammelt beziehungsweise bekommen hat, obwohl es ja noch gar kein konkretes Projekt gab, nur die Idee, die Diskussion.“ Der Bauminister versicherte erneut, dass es bei der vom Bundestag beschlossenen Kostenobergrenze für das Schloss-Projekt in Höhe von 552 Millionen Euro bleiben werde.
Außerdem sieht die Vorlage von Tiefensee vor, dass die Stiftung die Federführung für das kulturelle Konzept übernimmt. Das Humboldtforum wird die außereuropäischen Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sowie Einrichtungen der Humboldt-Universität und der Berliner Zentralbibliothek aufnehmen und Räume für größere Veranstaltungen bieten. Eine „Generalintendanz“ für die drei Hauptnutzer soll es nicht geben, die „Aktionshoheit“ der Betreiber hinsichtlich der Ausgestaltung des Schlosses soll nicht tangiert werden.
Tiefensee betonte, das Humboldt-Forum werde „im Herzen Berlins ein Schaufenster der außereuropäischen Kulturen“ und eine internationale Begegnungsstätte werden.
Tiefensee bekräftigte den Zeitplan für das Bauprojekt. Danach nimmt die Stiftung bereits im Juli ihre Arbeit auf, der Architekt Franco Stella arbeitet weiter an den Feinplanungen für das Stadtschloss, Baubeginn ist wie geplant 2010, Fertigstellung des Rohbaus 2013 und nach einjähriger Einrichtungszeit die Eröffnung im Jahr 2014. „Wir sind exakt im Zeitplan, und ich bin optimistisch, dass wir das ehrgeizige Ziel erreichen“, betonte Tiefensee. „Das wird ein einzigartiger Ort der kulturellen Begegnung in der Mitte Berlins für Deutschland, ein Magnet für die Nation mit internationaler Ausstrahlung.“
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) nannte die Schloss-Stiftung einen „wichtigen Schritt zum zügigen Wiederaufbau des Berliner Schlosses“. Der Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses als Humboldt-Forum soll laut Tiefensee Welt deutlich machen, dass Deutschland „eine Kulturnation ist“. Unter Hinweis auf die gegenwärtige weltweite Finanzkrise sagte Tiefensee im ZDF-Morgenmagazin, Kultur sei mindestens genau so wichtig wie eine florierende Wirtschaft.
„Ich erinnere an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Was mich fasziniert hat in meiner Heimatstadt (Gera) und anderswo: Da war alles zerstört und trotzdem hat man auch an die Kultur gedacht und das ist auch heute so“, sagte Tiefensee. Im Herzen Berlins solle jetzt für Deutschland „ein Schaufenster der außereuropäischen Kulturen, eine Begegnungsstätte“ entstehen, wo unterschiedliche Kulturen aufeinander stoßen würden.
Dem 14-köpfigen Stiftungsrat werden unter anderem Bundestagsabgeordnete sowie von der Bundesregierung und dem Land Berlin entsandte Mitglieder und Mitarbeiter der Preußen-Stiftung angehören. Für das Kuratorium sollen zum Teil bekannte Persönlichkeiten als Berater und Unterstützer geworben werden. Für die Stiftungsarbeit stehen jährlich 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Sie verfolgt die „Förderung von Kunst und Kultur, der Bildung, von internationaler Gesinnung und Toleranz auf allen Gebieten der Kultur, des Völkerverständigungsgedankens sowie des Denkmalschutzes“.
dpa, Berliner Morgenpost, 22.04.2009
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