Bremse fürs Stadtschloss

Bremse fürs Stadtschloss

(…)

Was die Öffentlichkeit bei dem Streit um das vom Bundestag beschlossene 552-Millionen-Projekt verwirren muss, ist ein kleiner, aber feiner Unterschied: Die einhellige Entscheidung der hochkarätigen Jury für den Schloss-Entwurf Stellas wird nicht angefochten und bleibt daher bestehen. Um die anschließende Auftragsvergabe zur Bauausführung hingegen wird jetzt gerungen. Dazu will Stella zwei renommierte Büros hinzuziehen, was jetzt ein Stein des Anstoßes geworden ist. Da geht es um EU-Richtlinien und „Rechtsschutzmöglichkeiten“ anderer Wettbewerbsteilnehmer.

(…)

Die Kritik, Stella habe gar nicht die Voraussetzungen für den riesigen Bauauftrag erfüllt und daher zwei große Architektenbüros nachträglich hinzugezogen, wird von manchen Experten als nicht stichhaltig angesehen. Das sei bei allen größeren Bauvorhaben übliche Praxis, keines der siegreichen Büros wie beim Kanzleramt in Berlin (Schultes) oder dem Flughafen Berlin-Tegel (Gerkan Marg und Partner / gmp) habe das Projekt schließlich vollständig alleine realisiert. Und Stella erinnerte gestern daran, dass er immerhin das Messegelände im italienischen Padua mit einer Größe von 40 000 Quadratmetern mit einigen Kollegen gebaut habe.

Das Kartellamt hat nun auch gerügt, dass der unterlegene Architekt Kollhoff über den Vertragsabschluss mit Stella nicht vorher ordnungsgemäß informiert worden sei. „Mir erscheint das eine sehr seltsame Angelegenheit“, sagte Franco Stella dazu in Rom. „Ich habe schon an vielen Wettbewerben in Deutschland teilgenommen und auch verloren. Aber ich kann mich nicht entsinnen, jemals nach der Preisentscheidung über den Vertragsabschluss mit dem jeweiligen Gewinner unterrichtet worden zu sein.“ Stella bedauert zudem, dass sich die Realisierung seines einstimmig ausgewählten Entwurfs für den Schloss-Neubau verzögern könnte.

(…)

Kölnische Rundschau, 11.09.2009