Boddien sei Dank
Manche Architekten werden zwischen den Jahren viel zu tun haben. Denn am gestrigen Freitag ist der Realisierungswettbewerb zum Wiederaufbau des Berliner Schlosses als Humboldt-Forum amtlich gestartet, unter der europäischen Richtlinie 2004/18/EG, offen für Büros aus aller Welt, die einen Mindestumsatz nachweisen können sowie Erfahrung mit großen Kulturhäusern und Bauen im historischen Kontext.
Schon am 23. Januar um 16 Uhr ist Abgabeschluss für die erste Runde, dann werden 150 Teilnehmer für den zweiten Durchgang ausgewählt.So konkret ist an diesem wichtigsten Kulturprojekt des Landes noch nie gearbeitet worden. Auf einem breiten gesellschaftlichen Konsens ruhend, gehört es zu den Themen, bei denen die große Koalition in Gestalt von Bauminister Tiefensee (SPD) und Kulturstaatsminister Neumann (CDU) einig voranschreitet. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat die erste Tranche der Kosten von 550 Millionen Euro bewilligt.
Aber es gibt immer noch manische Schlossgegner, die sich mit dieser nach langen Diskussionen demokratisch getroffenen Entscheidung nicht abfinden können. In regelmäßigen Abständen versuchen sie, Sand ins Getriebe zu streuen, indem sie Gerüchte über angeblich unsaubere Machenschaften des Schlossvereins von Wilhelm von Boddien in die Welt setzen, der ja versprochen hat, die 80 Millionen Euro Mehrkosten für die Rekonstruktion der barocken Fassaden durch Spenden aufzubringen.
Schon vor zwei Jahren wurde behauptet, Boddien arbeite unsauber und präsentiere falsche Zahlen. Nichts davon hielt einer Prüfung stand. Jetzt hat der „Stern“ die alten Kamellen nochmals aufgewärmt. Dabei erhielt Boddiens Schlossverein erst vor wenigen Wochen das begehrte Spendensiegel des „Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen“ (DZI), das als wichtigster Spenden-TÜV gilt. Deren Chef Burkhard Wilke bestätigt, dass man „keinerlei Löcher in den Kassen“ gefunden habe, alles sei „klar und plausibel dokumentiert“. Auch die Werbe- und Verwaltungsausgaben lägen im Rahmen des Vertretbaren.
Diese Informationen hatte auch der „Stern“, erwähnte sie allerdings mit keinem Wort.Ohne Wilhelm von Boddien hätte es den Schloss-Beschluss des Bundestages nicht gegeben, und ohne seinen Verein gäbe es auch die detailgenau rekonstruierten Fassadenpläne nicht, die jetzt Teil der Wettbewerbs-Ausschreibung sind. Es war ein gutes Jahr für das Berliner Schloss, auch dank Boddien. Er verdient Respekt – und jede Unterstützung.
Die Welt, 22.12.2007
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