Berlins große Stärke sind seine Museen

Berlins große Stärke sind seine Museen

Dass Berlin gerade auch im Ausland als Kulturstadt einen erstklassigen Ruf genießt, sich die junge Kunstszene hinter der New Yorks schon lange nicht mehr verstecken muss, all dies sind keine Neuigkeiten mehr. Neu allerdings ist das Tandem Michael Eissenhauer als künftiger Museumsgeneral und Udo Kittelmann als Chef der Nationalgalerie – beide wurden gestern einstimmig berufen. Da passt die aktuelle Meldung von Berlin als boomender Museumsmetropole bestens ins Bild. Die 120 Häuser, kleine wie große, verbuchten im Vorjahr mit über zwölf Millionen Besuchen einen satten Zuwachs von 25 Prozent. Erwarteter Trend für dieses Jahr: plus zehn Prozent. Das Institut für Museumsforschung hat festgestellt, dass sich die Ausstellungsbesuche gegenüber 1994 in Berlin sogar verdoppelt haben. Dieses Ergebnis folgt einer gesamtdeutschen Entwicklung, wonach noch nie so viele Museen in Deutschland gebaut wurden wie in den letzten zehn Jahren, darunter die Gemäldegalerie am Kulturforum und das Jüdische Museum.

Platz eins belegt nach wie vor das Pergamonmuseum, dicht gefolgt vom Deutschen Historischen Museum (DHM), das einige Hunderttausend Besucher mehr verzeichnete als noch im Vorjahr. In Scharen zog es die Gäste in die neu eingerichtete Dauerausstellung zur deutschen Geschichte. Auch das Haus am Checkpoint Charlie und die Topographie des Terrors konnten stark zulegen, was den Trend zum Besuch von historischen und zeitgeschichtlichen Museen und Gedenkstätten beweist. Dabei scheint die Neugier an diesen Themen bei Berlinern ebenso stark gewachsen zu sein wie bei den zahlreichen Berlin-Touristen. Wohl in keiner Stadt Europas ist die Geschichte des 20. Jahrhunderts so präsent wie hier. Offenbar weckt die zunehmende Globalisierung das Interesse an nationaler Identität.

Was aber sind die Gründe für den Museumsboom? Die Häuser haben sich zunehmend der Eventkultur geöffnet, die kulturellen Hemmschwellen sind niedriger geworden. Gut gemachte Ausstellungen werden längst unter Freizeitzuwachs gebucht; die Inszenierungen sind medialer und moderner geworden. Die „gute alte Tante Museum“ übt sich in neuem Sehen. Und natürlich wertet auch die „Schau“-Architektur ein Haus entsprechend auf. Museen von Stararchitekten wie Libeskind oder Pei sind per se Besuchermagneten. Der Erfolg ist garantiert, ähnlich wie bei Blockbuster-Ausstellungen des Museum of Modern Art (MoMA) oder des Metropolitan (Met) in der Neuen Nationalgalerie. Sie bescherten Ticketrekorde wie nie zuvor. Eines besagt die Statistik auch: Die Museumsinsel ist unbestritten eine der zentralen Attraktionen der Stadt. Die Häuser gehören nicht nur zu den besten Europas – sondern liegen dazu im historischen Herzen der Stadt. Dort wird das Humboldt-Forum stehen – die Zukunft der Museen liegt in Mitte.
Berliner Morgenpost, 19.12.2007