Berliner Schloss: Sieg eines Visionärs
Mit der Bewilligung von 552 Millionen Euro durch den Haushaltsausschuss des Bundestags für den teilweisen Wiederaufbau des Berliner Schlosses ist nun tatsächlich ein Kampf gewonnen, den ein dickschädeliger Träumer vor 14 Jahren mit einer Kunstaktion begonnen hatte: Wilhelm von Boddien, 65, Landmaschinenhändler aus Hamburg, hatte in die Nachwende-Tristesse hinein eine Riesenplane vor den Palast der Republik in der Mitte Berlins gespannt, auf der die Fassade des alten, gesprengten Stadtschlosses zu sehen war.
Die gemalte Vision rief Berlinern und Touristen zu: So schön sah das mal aus! Und: Das wollen wir wiederhaben! Boddiens Vision gewann. Der DDR-Palast-Klotz wurde tatsächlich abgerissen, und nun wird gebaut werden. In der Auslobung des Wettbewerbs wird die Wiedererrichtung der Schlossfassade zur Bedingung gemacht. „Das ist der Stapellauf! Träumen lohnt sich“, kommentiert Boddien die Entscheidung. „Toll wäre jetzt, wenn der ganze Spreeinsel-Komplex am 3. Oktober 2015, also am 25. Jubiläum der deutschen Wiedervereinigung eröffnet werden könnte.“
Der Spiegel, 12.11.2007
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