Berlin erhält HumboldtForum früher als geplant

Berlin erhält „Humboldt-Forum“ früher als geplant

In einem Überraschungscoup haben sich der Bund und Berlin am Montag auf den vorgezogenen Beginn für den teilweisen Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses von 2010 an geeinigt.

Damit soll nach dem jahrelang verzögerten Abriss des Palastes der Republik die prominenteste Baulücke Deutschlands im Zentrum der Hauptstadt geschlossen werden. Das teilten Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (beide SPD) in der Palastruine mit, nachdem sich beide Seiten lange Zeit nicht über die finanzielle Beteiligung hatten verständigen können.

Mit einem relativ geringen finanziellen Anteil Berlins in Höhe von 32 Millionen Euro soll auf dem Schlossplatz bis 2013 für rund 480 Millionen Euro das so genannte Humboldt-Forum entstehen. Das Gebäude mit der Fassade des alten Schlosses wird an Stelle des DDR-Palastes und des 1950 gesprengten Stadtschlosses vor allem für die Kultur genutzt werden. Neben Ausstellungen, wissenschaftlichen Beständen der Humboldt-Universität sowie Theater-, Kino- und Veranstaltungsräumen soll der Neubau vor allem die außereuropäischen Sammlungen der Dahlemer Museen aufnehmen.

Das Bundeskabinett wird sich schon im Mai mit dem Projekt befassen. Tiefensee sprach von einem «deutlichen Rückhalt des gesamten Kabinetts und des Bundestages» in dieser auch «bundespolitisch bedeutenden Frage». Bereits im Haushalt 2008 seien dafür Mittel vorgesehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Wochenende gefordert, den Schlossplatz so schnell wie möglich wieder zu beleben.

Frühere Berechnungen waren noch von 750 Millionen Euro ausgegangen bei einem Berliner Anteil von 160 Millionen mit möglichem Baubeginn erst vom Jahr 2018 an. Wowereit und Tiefensee zeigten sich deutlich erleichtert über den jetzigen Kompromiss. «Das Tor ist aufgestoßen zur schnellen Verwirklichung eines neuen Marktplatzes der Kulturen an einem historischen Ort in Deutschland», sagte Tiefensee.

Die außergewöhnlichen Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz seien bisher am falschen Ort, sie gehörten in die Mitte Berlins, was zu einer «wunderbaren Symbiose mit der benachbarten Museumsinsel führen wird», sagte Tiefensee. Auch an eine Integration des eingelagerten früheren DDR-Volkskammersaals ist gedacht.

Allerdings machten der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Steffen Kampeter, wie auch sein Berliner Parteikollege Michael Braun noch «Klärungsbedarf» bei der Finanzierung geltend. Laut Kampeter gibt es dazu «noch keine abgestimmte Position des Kabinetts», wie er der dpa sagte. Auch die CDU-Fraktion des Berliner Abgeordnetenhauses bemängelte «das Fehlen von Informationen, wie die Zusage von Wowereit am Ende zustande gekommen ist». Wowereits Koalitionspartner Linkspartei begrüßte hingegen, dass der Weg jetzt frei gemacht worden sei. Allerdings dürften noch keine Vorgaben für den Architekturwettbewerb gemacht werden.

Der Berliner Anteil – zusätzlich zum Grundstück – wird laut Wowereit erstmals im Doppelhaushalt 2012/13 eingeplant und in Raten gezahlt. Vom privaten Förderverein des Stadtschlosses werden 80 Millionen Euro erwartet. «Das ist bis 2013 zu schaffen, nachdem wir heute das klare politische Signal für die Öffentlichkeit gegeben haben», meinte Tiefensee.

Berlin soll nun innerhalb der nächsten drei Monate seine Pläne über die Nutzung der 5000 der insgesamt 50 000 Quadratmeter vorlegen. Danach wird es einen Architekturwettbewerb für das Forum geben. Tiefensee sprach von einem «Schaufenster der außereuropäischen Kulturen in Deutschland», Wowereit von einem «ganz wichtigen Bauwerk für die Stadt, einem Gewinn für Berlin und die ganze Bundesrepublik». Es sei eine «einzigartige Chance, in der Mitte der Stadt diese Wunde zu schließen, was auch klein karierte Bedenken verschwinden lassen wird». Wowereit plädierte dafür, in dem einen Jahr zwischen dem Abriss des Palastes der Republik Ende 2008 und dem Baubeginn des Humboldt-Forums 2010 auf dem Schlossplatz eine provisorische Kunsthalle zu errichten.
Braunschweiger Zeitung, 24.04.2007