Berlin bekommt eine Schlossbauhütte
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Damit ist das Tableau der Hauptakteure im Berliner Schlossbau komplett. Diese machten am Dienstag vor Journalisten deutlich, dass bei einem Jahrhundertprojekt wie dem Humboldt-Forum Qualität vor Eile gehen müsse. Man werde zunächst mit einer Kosten- und Terminanalyse beginnen. Das vom Bundestag auf 552 Millionen Euro festgesetzte Budget solle nach Möglichkeit eingehalten werden. Es könne aber durchaus sein, dass auch das zuletzt genannte Datum der Fertigstellung 2016 nicht eingehalten werde und die letzte Adlerfigur unter dem Gesims noch später an ihrer Stelle sitzt. Nicht jedes Detail des Innenausbaus müsse von der heutigen Generation geplant werden, deswegen sei es umso wichtiger, dass die innere Organisation des Bauwerks so flexibel wie möglich wird. Wo einst historische Treppenhäuser lagen, müsse es die Rohbaustruktur des Hauses erlauben, diese zu einem späteren Zeitpunkt zu rekonstruieren. Das gelte auch für bedeutende Säle.
Eine weitere Aufgabe der Stiftung wird die Öffentlichkeitsarbeit sein, dabei vor allem die Konzeption der sogenannten „Humboldt-Box“, eines Info-Pavillons, der vom Herbst 2010 an direkt an der Baustelle im Herzen Berlins über die Planungen für das Humboldt-Forum informieren soll. Eine Wanderausstellung, die durch Deutschland ziehen und auch international Station machen wird, soll außerhalb der Hauptstadt für das Projekt werben. Dazu wurde in einem kleinen Wettbewerb auch ein Logo entwickelt, das allerdings kaum spröder sein könnte: ein leicht gekipptes Quadrat mit den vier Worten Berliner-Schloss-Humboldt-Forum. Ein Schatzhaus der Weltkulturen hätte etwas Sinnlicheres verdient gehabt.
Die Stiftung arbeitet eng zusammen mit dem Förderverein von Wilhelm von Boddien. Diese habe in den vergangenen Jahren bereits wertvolle Vorarbeit geleistet, sowohl bei der Öffentlichkeitsarbeit für das Schloss als auch bei der mühevollen Erarbeitung der exakten Baupläne für die barocken Schlossfassaden, die als Grundlage des Architektenwettbewerbs dienten. Jetzt ist auch die erste Million Euro vom Förderverein bei der Stiftung eingegangen. Am Dienstag überreichte Rettig eine entsprechende Empfangsbescheinigung. Wie der Verein bemüht sich auch die Stiftung um die für die Fassaden nötigen Spenden in Höhe von 80 Millionen Euro. Hier gebe es keine Rivalität, sagte Boddien, am wichtigsten sei ihm, dass das Geld zusammenkomme.
Bei der Sichtung von erhaltenen Originalteilen des Stadtschlosses und der Anfertigung erster Kopien sind die Arbeiten des Fördervereins ebenfalls weit fortgeschritten. Als eines der spektakulärsten Objekte wurde zuletzt die gewaltige Armatur vor dem Elisabethsaal des Portals I fertig, die der junge Potsdamer Steinbildhauer Eckhart Böhm aus einem 16 Tonnen schweren Steinblock meißelte. Was dieser sich – wie viele seiner Kollegen – immer wünschte, wird nun von der Schloss-Stiftung verwirklicht: Im Berliner Bezirk Spandau soll auf dem Gelände der ehemaligen britischen Alexander-Barracks eine Schlossbauhütte entstehen, wo alle bisher gefundenen Fassadenteile versammelt werden und die Steinbildhauer in enger Abstimmung untereinander die Muster für die Rekonstruktion schaffen.
Berliner Morgenpost, 16.12.2009
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