Bäume fallen für neue Rathausbrücke

Bäume fallen für neue Rathausbrücke

Gesellschaft Historisches Berlin will schmucklosen Zweckbau verhindern.

Trotz eines noch laufenden Volksbegehrens beginnen jetzt die Arbeiten für den geplanten Ersatz der Rathausbrücke. Noch in dieser Woche werde die Baufeldfreimachung starten, teilte Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) mit. Um Platz zu schaffen, müssten auch Bäume – darunter eine Kastanie im Nikolaiviertel – gefällt werden. Im Folgenden sollen eine unterirdische Gasleitung und ein Mischwasserkanal verlegt werden.

Der eigentliche Abriss der maroden, 1953 errichteten Behelfsbrücke über die Spree soll im September beginnen. Für das sechs Millionen Euro teure Bauvorhaben sind zwei Jahre veranschlagt. Während dieser Zeit muss laut Gothe die Rathausstraße zwischen der Poststraße und der Breiten Straße gesperrt werden.

Die Erneuerung der Rathausbrücke ist ein umstrittenes Projekt. Soll doch mitten in Berlins ältestem Besiedlungsgebiet ein modernes Bauwerk als Ersatz für das baufällige Nachkriegsprovisorium entstehen. Der in einem Wettbewerb 1999 preisgekrönte Entwurf des Architekten Walter A. Noebel sieht eine Konstruktion aus Stahl und Beton ohne Mittelstütze vor. Um den schmucklosen Zweckbau zu verhindern, hat die Gesellschaft Historisches Berlin (GHB) Ende vorigen Jahres ein Volksbegehren gestartet. Sie kämpft dafür, dass die Brücke nach historischem Vorbild errichtet wird. Noch bis 3. Juni hat die GHB Zeit, die für einen Volksentscheid erforderlichen 20 000 Unterschriften zu sammeln.

Die erste Spreeüberführung entstand an dieser Stelle bereits im frühen 14. Jahrhundert. Auf ihr soll das gemeinsame Rathaus von Berlin und Cölln gestanden haben. Die Brücke aus Holz wurde 1695 durch eine steinerne ersetzt und 1703 durch das von Andreas Schlüter geschaffene Reiterstandbild des Großen Kurfürsten geschmückt. Aus dieser Zeit stammt auch der Name Kurfürstenbrücke.

Gegen die lange Vollsperrung der Rathausstraße während des Neubaus protestieren zudem Gewerbetreibende aus dem Nikolaiviertel. Sie befürchten Umsatzeinbußen, weil Touristen sich dann andere Wege suchen könnten.
Berliner Morgenpost, 07.04.2008