Baustart für die Kunsthalle auf Zeit
„White Cube“ auf dem Schloßplatz soll in Rekordzeit von vier Monaten fertig sein
Von Isabell Jürgens
Mit dem symbolischen ersten Spatenstich wurde gestern der offizielle Baubeginn für die Temporäre Kunsthalle auf dem Schloßplatz in Mitte gefeiert. Der nach Plänen des österreichischen Architekten Adolf Krischanitz entworfene „White Cube“ soll bereits im September fertig gestellt sein. Die Kunsthalle kann lediglich zwei Jahre lang für Ausstellungen genutzt werden. Dann muss sie Platz machen für den Bau des Humboldt-Forums mit den Fassaden des historischen Stadtschlosses 2010.
Der Regierende Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) dankte in seiner Ansprache „für das private Engagement, das diese Halle erst möglich gemacht hat.“ In nur vier Monaten Bauzeit soll Kunsthalle stehen. Die Kosten von 950 000 Euro werden von der Stiftung Zukunft Berlin finanziert. Der eingeschossige Bau mit einer Ausstellungsfläche von 600 Quadratmetern wird direkt an der Straße Unter den Linden und am Spreekanal errichtet. Deshalb ist er nicht nur bei den Bauarbeiten für das Humboldt-Forum im Wege: Genau an dieser Stelle soll später auch der Zugang zur U-Bahnstation Schloßplatz liegen. Der Weiterbau der U-Bahnlinie 5 soll 2010 beginnen und bis 2017 dauern.
In der Temporären Kunsthalle wird zeitgenössische Kunst aus Berlin präsentiert, die „internationale Impulse setzt“, wie Angela Rosenberg vom Kunsthallen-Projekt sagte. Eröffnet wird die Kunsthalle am 17. Oktober mit einer Ausstellung der in Berlin lebenden südafrikanischen Künstlerin Candice Breitz.
Die knapp 1700 Quadratmeter große Außenhülle des Gebäudes soll bereits einen Monat früher fertig sein und ebenfalls als Ausstellungsfläche dienen. Zum Auftakt wird der in Linz geborene Künstler Gerwald Rockenschaub weiße, pixelierte Wolken auf leuchtend blauem Grund zeigen. Nach rund einem Jahr sollen die aus Faserzementplatten bestehenden Wände der Halle von einem anderen Kunstwerk geziert werden.
Eine „Wolke“ als Ausstellungsraum hatte auch das Berliner Architekturbüro Graft entworfen, der zweite zur Diskussion stehende Entwurf, der vielen als Favorit galt. Der Senat hatte sich im vergangenen Jahr jedoch aus Kostengründen für die schlichtere Variante entschieden – mit 8,7 Millionen Euro wäre die Wolke deutlich teurer als der „White Cube“ gewesen.
Wowereit sagte gestern, er verstehe die Temporäre Kunsthalle als „Aufforderung, eine dauerhafte Kunsthalle für Berlin zu schaffen“. Jedoch sei die Entscheidung für einen geeigneten Standort noch immer nicht gefallen, räumte Wowereit ein. Im Gespräch sind unter anderem der Kunst-Campus an der Heidestraße hinter dem Hamburger Bahnhof sowie der landeseigene 6000 Quadratmeter-Hallenbau des Blumengroßmarktes in Kreuzberg, aus dem die Händler 2010 ausziehen werden.
Die fehlende staatliche Kunsthalle ist für die Kunstmetropole Berlin mit ihren etwa 15 000 Künstlern ein echtes Manko. Berlin gilt seit den 90er-Jahren weltweit als einer der wichtigsten Galeriestandorte sowie Produktionsort für zeitgenössische Kunst. „Mit dieser Halle wollen wir zeigen, dass die Kunst in Berlin im Zentrum steht“, betonte Ex-Senator Volker Hassemer von der Stiftung Zukunft Berlin.
Als zweites temporäres Bauprojekt auf dem Schloßplatz war die sogenannte „Humboldt-Box“ geplant, ein Informationspavillon über das Bauvorhaben Humboldt-Forum, dessen Kosten der Berliner Unternehmer Hans Wall übernehmen wollte. Anfang der Woche hatte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher jedoch mitgeteilt, leider ließen der Wiederaufbau des Schlosses sowie die Verlängerung der U-Bahn vom Alexanderplatz zum Pariser Platz keinen Raum mehr für die Info-Box. Jetzt wird geprüft, ob das 100 Meter entfernte Kronprinzenpalais Unter den Linden als Informationsstelle dienen kann. Betroffen von der Absage ist der Förderverein Berliner Schloss, der in der Box Spenden sammeln wollte. Der Verein will 80 Millionen Euro für die Rekonstruktion der Barockfassaden des Schlosses aufbringen.
Berliner Morgenpost, 07.06.2008
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