Bau-Aufschub für Berliner Schloss im Gespräch

Bau-Aufschub für Berliner Schloss im Gespräch

Angesichts der Sparzwänge des Bundes könnte sich der Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses verzögern. Ein späterer Start des 550 Millionen Euro teuren Vorhabens sei eine der möglichen Überlegungen, bestätigten Koalitionskreise in Berlin.
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) sieht für eine Verschiebung allerdings „keine Anhaltspunkte“, wie er der dpa sagte.

Forderungen nach einem Bau-Aufschub kommen vor der am Sonntag beginnenden großen Sparklausur des Bundeskabinetts eher aus dem parlamentarischen Bereich, heißt es. So verlangten Haushaltspolitiker des Bundestages, solche Projekte noch einmal zu überdenken. Die „Rheinische Post“ hatte berichtet, die schwarz-gelbe Koalition erwäge, den Schlossbau zu verschieben.

„Der zuständige Bundesbauminister Peter Ramsauer hat mir versichert, dass er nach wie vor zu dem Beschluss steh“, betonte Neumann. Der Aufbau des Stadtschlosses mit dem Humboldt-Forum basiere auf einem mit großer Mehrheit verabschiedeten Beschluss des Bundestages. Der Bau sei auch in der Koalitionsvereinbarung verankert.

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In einer Forsa-Umfrage hatten sich 80 Prozent der Berliner gerade dafür ausgesprochen, auf das Schloss angesichts knapper Kassen ganz zu verzichten. Doch auch der Berliner Senat hält am Wiederaufbau des historischen Gebäudes fest. „Das große Interesse Berlins am Humboldtforum ist ungebrochen“, sagte ein Sprecher des Kulturstaatssekretärs André Schmitz. Die oppositionellen Berliner Grünen forderten dagegen, das Vorhaben auf Eis zu legen. 

Die Vorsitzende im Bundestagskulturausschusses, Monika Grütters (CDU), zeigte sich erschrocken darüber, dass die „großartige kulturpolitische Jahrhundertidee des Humboldtforums“ bei der breiten Öffentlichkeit offenbar noch nicht angekommen ist. Sie warnte davor, das Projekt aus materiellen Gründen infrage zu stellen.

www.zeit.de, 02.06.2010