Auf der Suche nach Preußen: Bekenntnis zum Humboldt-Forum im Schloss
Chefkorrespondent Jochim Stoltenberg trifft Berliner, die in der Stadt etwas bewegen. Treffpunkt ist ihre Lieblingsecke. Heute: ein Spaziergang mit André Schmitz, Wowereits neuem Kulturstaatssekretär
Von Jochim Stoltenberg
Chefkorrespondent Jochim Stoltenberg im Gespräch mit André Schmitz (Auszug):
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Auch als Sympathieträger, um Wowereits ziemlich nassforschen Auftritt gegenüber Bundeskanzlerin Angela Merkel und Kulturstaatsminister Bernd Neumann vergessen zu machen? „So sind die Berliner eben …“, sagt der Hanseat. „Aber ganz im Ernst. Der Regierende und ich kennen Bernd Neumann gut. Wir haben eng und vertrauensvoll in der Föderalismuskommission zusammengearbeitet, als es darum ging, für Berlin die Hauptstadtklausel ins Grundgesetz zu schreiben. Ich glaube, das Verhältnis zu ihm und zur Kanzlerin ist besser, als es öffentlich anklingt. Im Grunde hat Berlin mehr Freunde in der Regierung und im Bundestag, als es in der medialen Vermittlung den Anschein hat. Diesen Goodwill muss man allerdings pfleglich behandeln…“ Auch dafür ist der 49-Jährige, Markenzeichen rotblond gescheiteltes Haar, Hornbrille, sehr britisch nicht nur in den Umgangsformen, auch in der Kleidung, neuerdings häufiger wieder Fliege statt Schlips, der richtige Mann an Wowereits Seite.
Eine andere kulturelle Großbaustelle spricht er von sich aus an. „Das Humboldt-Forum im wieder aufgebauten Schloss ist eine geniale Idee – die jetzt noch in Dahlem ausgestellten außereuropäischen Sammlungen als Pendant zur Museumsinsel mit den Schätzen aus preußischer und europäischer Glanzzeit. Dafür stehen symbolhaft die beiden großen Brüder dieser Stadt: Wilhelm und Alexander von Humboldt. Der reformerische Wilhelm für Preußens Kultur und Bildung, der global denkende Alexander für die Weltschätze. Beide Sammlungen mitten in der Stadt, mitten in Deutschland – das wäre bedeutender als der Louvre in Paris. Wir sollten nicht alles nur auf die Finanzen fokussieren. Die Einrichtung des Humboldt-Forums kostet zudem nicht mehr als der neue Hauptbahnhof. Das wäre ein Projekt für Deutschland, dessen sich die Kanzlerin annehmen sollte.“
Und Berlin? Der rot-rote Senat hat sich bislang nicht gerade als engagierter Förderer der Schloss- Rekonstruktion gezeigt. „Das ist richtig. Aber wir sollten auch das jetzt angehen. Es gibt Bundestagsbeschlüsse, der Senat hat sie bestätigt. Es lohnt, sich dafür einzusetzen. Weil das Humboldt-Forum im Schloss gleich mehrere Probleme löst: das architektonische, denn der Schlossplatz darf nicht länger Kirmesplatz sein; ein kulturelles, nämlich den Sammlungen aus Dahlem einen zentralen Platz zu bieten; schließlich ein nationales: Berlin als Schaufenster der Republik könnte sich hier in einer globalen Welt international präsentieren.“ Da schwärmt einer, der es wirklich gut meint mit Berlin.
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Berliner Morgenpost, 10. 12. 2006
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