Auf der Suche nach Berlins Vergangenheit

Auf der Suche nach Berlins Vergangenheit

Während der Abriss des Palastes der Republik voranschreitet, bietet das Areal um den Schloßplatz für Archäologen eine unverhoffte Herausforderung. In unmittelbarer Nähe der bereits frei gelegten Küchenfundamente des gesprengten Schlosses haben die Vorarbeiten für die Suche nach dem historischen Münzturm begonnen. An der nordwestlichen Ecke des Platzes haben Raupenbagger die Asphaltdecke abgehoben, damit in den nächsten Tagen die Denkmalpfleger mit Grabungen beginnen können. Unabhängig davon sind ihre Kollegen in einer Entfernung von 500 Metern Luftlinie dabei, auf dem Petriplatz im Friedrichswerder nach Zeugnissen der Vergangenheit zu graben.

Für die Leiterin des Landesdenkmalamtes, Karin Wagner, sind beide Projekte eine „Herausforderung“ für Archäologen und Anthropologen: „Bis Ende des Jahres wollen wir am Petriplatz mit den Ausgrabungen fertig sein, am Schloßplatz rechnen wir mit sechs Wochen.“ Man habe die Hoffnung, dass archäologisch wertvolle Fundstücke zum Vorschein kommen.

Die Ausgrabungen auf dem Schloßplatz gleichen einer Wundertüte, denn hier muss man nicht unbedingt fündig werden. Geschichtlich ist verbrieft, dass vor rund 300 Jahren an dieser Stelle der Münzturm in sich zusammenfiel – und dann nie wieder aufgebaut wurde. 60 Meter hoch soll er gewesen sein, als er umkippte; 130 Meter waren vorgesehen. Schon damals wurde „Pfusch am Bau“ bestraft. König Friedrich I. enthob Hofbaumeister Andreas Schlüter nach dem Zusammenbruch des Turms all seiner Ämter.

An dieser Stelle des Schloßplatzes war schon öfter (auch zu DDR-Zeiten) gegraben worden. Zuletzt, als die Kellergewölbe des Schlosses freigelegt wurden. Allerdings waren die Funde eher kärglich. Jetzt startet der neue Versuch. Ob etwas gefunden wird ist fraglich.

Dagegen laufen auf dem Petriplatz die Ausgrabungen auf Hochtouren. Seit Tagen sind Archäologen mit Pinsel und Schaufel bei der mühseligen Kleinarbeit. „Hier stand die Wiege Berlins, das alte Cölln an der Spreefurt“, heißt es.

Zunächst werden jetzt die Fundamente der im Zweiten Weltkrieg zerbombten und danach abgerissenen Petrikirche (erbaut um 1180) freigelegt. Ihre Urform fand schon 1237 die erste urkundliche Erwähnung. Da es im Mittelalter üblich war, die Toten rund um die Kirche zu bestatten, erhoffen sich die Denkmalschützer durch die Gebeine interessante Aufschlüsse über Krankheiten und Lebensalter der Bewohner des Petriplatzes. Aus diesem Grund sind Anthropologen bei den Ausgrabungen dabei. Im Moment sind die Archäologen noch nicht zu den Gebeinen der Toten vorgedrungen, die werden in etwa vier Metern Tiefe erwartet. Erfolge sind aber schon durch die Freilegung der Kirchenfundamente zu verzeichnen. Daneben wurden schon Beschläge und Nägel gefunden, die 400 Jahre alt sind.

Wenn Ende dieses Jahres die Ausgrabungen am Petriplatz beendet sind, beginnen anschließend die Arbeiten für ein neues Stadtquartier. Um die Brüder-, Scharren- und Breite Straße entsteht ein Ensemble von Wohn- und Geschäftshäusern (wir berichteten). Die alten Kirchenfundamente sollen in den Neubaukomplex integriert werden.
Berliner Morgenpost, 17.04.2007