Auf dem Weg zum Louvre von Berlin

Auf dem Weg zum Louvre von Berlin

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Das Forum der Weltkulturen wäre, wenn die Präsentation im Alten Museum im großen Maßstab umgesetzt würde, zur einen Hälfte ein mit Texttafeln aufgemotztes Remake der Dahlemer Völkerkundemuseen, zur anderen ein Mischmasch von Schaumagazinen, Multimedia-Sälen und Seminarräumen unter dem pompösen Etikett der „Laboratorien des Wissens“.

Diese geschichtspolitische Nullnummer kann niemand wünschen, am allerwenigsten Bernd Neumann, der in seiner zweiten Amtszeit als Kulturstaatsminister zum rettenden Engel des Schlossprojekts werden möchte. Deshalb will Neumann eine Kommission aus Experten einberufen, die die „reine Addition“ der vorhandenen Altbestände aus Museen und Bibliotheken im Schloss verhindern soll. Auf ganz ähnliche Weise versucht die Preußenstiftung schon seit fast zwei Jahren, das Fachwissen internationaler Ethnologen, Kunstexperten und Museumsdirektoren in die Bahnen des Humboldt-Forums zu leiten. Es hat, wie man sieht, wenig gefruchtet.

Wäre es nicht ehrlicher, endlich zuzugeben, dass der Kaiser nackt ist – dass ein Weltkulturenmuseum in der Mitte Berlins, wie es die Erfinder des Humboldt-Forums vor acht Jahren in wohlklingenden Sätzen beschworen haben, die intellektuellen, personellen und finanziellen Kräfte seiner Nutzer bei weitem überfordert? Und dass die Stiftung Preußischer Kulturbesitz auf dem Schlossplatz keinen Kontrapunkt, sondern eine Ergänzung zu ihren Sammlungen auf der Museumsinsel braucht?

Drei ihrer wichtigsten Bestände, die Gemäldegalerie, die Kunstbibliothek samt Kupferstichkabinett und das vielfach unterschätzte Kunstgewerbemuseum, sind derzeit im städtischen Abseits des Kulturforums am Potsdamer Platz untergebracht. Ihr Umzug auf den Schlossplatz würde den dortigen Neubau zum Louvre Berlins machen. Ganz gleich, unter welchem Etikett.

FAZ, 08.12.2009