Auch WestUnis wollen im Schloss ausstellen

Auch West-Unis wollen im Schloss ausstellen

Präsidenten von FU, TU und Fachhochschule schreiben Wowereit – CDU gegen Bibliothek

Die Präsidenten der Freien Universität, der Technischen Universität und der Fachhochschule Berlin haben sich in einem Brief an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gewendet. Darin erklären diese, dass sie mit einbezogen werden wollen beim wichtigsten Berliner Stadtentwicklungsprojekt der kommenden Jahre, dem Wiederaufbau des Stadtschlosses. Grund: In dem Schlossnachbau ist unter Unterstützung der Humboldt Universität ein „Schaufenster der Wissenschaften“ geplant.

In dem Schreiben, das alle drei Uni-Präsidenten unterzeichnet haben, heißt es: „Ein Element der Diskussion ist die Absicht, unter dem Signet „Humboldt-Forum‘ ein „Schaufenster der Berliner Wissenschaften‘ zu errichten. Diese Absicht ist zu loben.“

TU will Architekturpläne präsentieren
So hätten neben der Humboldt-Universität auch andere Einrichtungen hoch interessante Objekte, die sie im neuen Stadtschloss präsentieren könnten. Das Präsidenten-Trio verwies etwa auf die Abguss-Sammlung der FU oder die Architektur-Sammlung der TU. Deshalb sollten die Planungen auf die „Schultern der gesamten Wissenschaft“ gestellt werden, heißt es in dem Brief vom 15. Juni.

In der Senatskanzlei hieß es gestern, man bleibe weiterhin bei dem beschlossenen Konzept. Das sieht vor, auf den 5000 Quadratmetern, die dem Land Berlin im neuen Stadtschloss zustehen sollen, rund 1000 Quadratmeter für Ausstellungszwecke zu nutzen. „Die außereuropäischen Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit ihren einzigartigen Zeugnissen der Kunst und Kultur Afrikas, Asiens, Amerikas und Ozeaniens sollen durch eine lebendige Wissenschaft der Humboldt-Universität ergänzt werden“, heißt es im Senats-Konzept.

Die Humboldt-Universität soll in einem „Schaufenster der Wissenschaft“ aktuelle Forschung zur Diskussion stellen und wissenschaftlichen Sammlungen präsentieren. FU, TU und die Technische Fachhochschule wären in diesem Konzept ausgeschlossen. Hinzu kommt, dass die außereuropäischen 4000 Quadratmeter die Bestände der Zentral- und Landesbibliothek aufnehmen sollen.

CDU will Diskussionen ins Schloss holen
Dagegen wandte sich der kulturpolitische Sprecher der CDU, Michael Braun, der auch stellvertretender Fraktionsvorsitzender ist. Er sagte: „Es wäre besser im neuen Stadtschloss einen Dialog der Kulturen zu führen. Ich bin dafür, dass statt der Bibliothek dort zum Beispiel die Islamkonferenzen abgehalten werden.“ Braun schlug zudem vor, dass eine Diskussion über den Karikaturenstreit auf hohem Niveau im neuen Humboldt-Forum stattfinden könnte. „In einem solchen Dialog der Kulturen könnte die Freie Universität mit ihren weltweit angesehenen Regionalwissenschaften eine führende Rolle spielen“, sagte Braun. Aus der Kulturverwaltung gab es gestern keine Stellungnahme.

Berliner Morgenpost, Die Welt, 18.07.2007