Asbestfunde verteuern Palast-Abriss
Arbeiten verzögern sich bis mindestens Ende April. Kosten steigen um über 20 Millionen Euro
Von Isabell Jürgens
Schroff und abweisend zeichnet sich die Ruine des Palastes der Republik gegen den Berliner Winterhimmel ab. Der asbestverseuchte Koloss aus Stahl und Beton, an dessen „Rückbau“ seit nunmehr zwei Jahren gearbeitet wird, scheint sich erfolgreich gegen seinen Abriss zur Wehr zu setzen. Immer neue Asbestfunde an unvermuteten Stellen verzögern die Arbeiten – und lassen die Kosten explodieren.
Ursprünglich sollte der Palast schon seit einem dreiviertel Jahr verschwunden sein. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hatte bei der Vorstellung des Konzeptes für den Abriss vor zwei Jahren das Ende der Arbeiten mit Ostern 2007 terminiert. Inzwischen rechnet die Verwaltung vorsichtig mit dem „Abschluss der Arbeiten Ende April 2007“, so Manuela Damianakis, Sprecherin von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Waren die Abriss-Kosten ursprüngliche mit 12,5 Millionen Euro beziffert, rechnet Damianakis jetzt mit „Zusatzkosten in Höhe von 20,3 Millionen Euro“. Damit liegen die Gesamtkosten mittlerweile bei knapp 33 Millionen Euro. „Ob es bei diesen Kosten wirklich bleibt, können wir nicht voraussagen.“
Die bisher aufgelaufenen Mehrkosten und Bauverzögerungen sind nach Auskunft der Senatsverwaltung ausschließlich auf immer neue Funde von Asbest zurück zu führen. Dieser ist etwa versteckt in den Bauabfällen, die in den Zwischendecken als Isolierung dienten. In der Folge durften Bauarbeiter in diesen Bereichen nur noch mit Schutzanzug und Atemmaske arbeiten. Erneute Funde von Krebs erregendem Rohasbest wurden auch in den Fassadenzwischenräumen zur Domseite hin gefunden. Im vergangenen Monat etwa lag die Baustelle still, weil alle weiteren Arbeiten zunächst mit dem Landesamt für Arbeitsschutz (Lagetsi) abgestimmt werden mussten, so Damianakis. Erst seit dieser Woche sind wieder rund 50 Bauarbeiter auf der Baustelle beschäftigt. Die durch die zahlreichen Asbestfunde entstandenen Mehrkosten trägt allerdings nicht das Land, sondern als Eigentümer der Ruine der Bund. Immerhin: Durch den Verkauf der rund 20 500 Tonnen Stahl, die im Palast verbaut wurden, könnte wenigstens ein Teil der Abrisskosten gedeckt werden. Bei einem Weltmarktpreis von 200 Euro pro Tonne Stahl wären das mehr als vier Millionen Euro.
„White Cube“ nicht betroffen
Nicht betroffen vom schleppenden Abriss der Asbest-Ruine sind nach Auskunft des Architekten Adolf Krischanitz die Planungen für den „White Cube“. Eine Eröffnung der temporären Kunsthalle zur Kunst-Biennale in Berlin im April, wie ursprünglich avisiert, ist zwar nicht mehr drin. „Doch dazu hätten wir von Herrn Wowereit zwei Monate früher Bescheid bekommen müssen“, so Krischanitz. Die Entscheidung für den Bau seines weißen Würfels, der eine Million Euro kosten soll, war erst Ende Oktober vergangenen Jahres gefallen. „Bis Ende des Monats werden wir die Eingabeplanung fertig haben“, sagt der Österreicher. Danach hänge es von der Stadt ab, wie lange das Genehmigungsverfahren dauere. „Innerhalb von zwei bis drei Monaten könnte es losgehen“, so Krischanitz. Im Sommer könne der Bau fertig sein. Mindestens zwei Jahre soll der 1000 Quadratmeter große Ausstellungspavillon an der Schlossfreiheit stehen bleiben.
Da die Kunsthalle nicht auf dem Baufeld für das Schloss stehe, sei theoretisch eine längere Dauer denkbar: „Die Hülle aus Zementgebundenen Holzplatten hält jahrelang“, so der Architekt. Die Berliner müssten entscheiden, wie lange sie die Halle am Standort wollen.
Berliner Morgenpost, Die Welt, 12.01.2008
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