Architekt wirft Stolpe Täuschung vor Schloss wird viel teurer

Architekt wirft Stolpe Täuschung vor: Schloss wird viel teurer

Eine Gruppe von Architekten mit dem Namen „Urban Catalyst“ hat Bundesbauminister Manfred Stolpe (SPD) vorgeworfen, er täusche die Öffentlichkeit über die finanziellen Risiken bei der geplanten Bebauung des Schlossplatzes. Bislang sei beispielsweise noch nicht klar, wie teuer ein Abriss der Betonwanne des Palastes der Republik werde und welche Kosten beim Bauen „acht Meter im Grundwasser“ entstehen, erklärte am Montag der Architekt Philipp Oswalt von „Urban Catalyst“. Ebenso unklar seien die Kosten für eine Tieferlegung der geplanten U-Bahn-Linie 55, die unter dem Schlossplatz gebaut werden soll, und die Ausgaben für eine Umlegung der Wasser- und Stromleitungen.

Minister Stolpe hatte am 24. August die Ergebnisse einer Studie vorgestellt, wonach die Bebauung des Schlossplatzes in privater-öffentlicher Partnerschaft möglich ist, die Studie selbst jedoch nicht veröffentlicht. Die Baukosten für das Stadtschloss, das kulturell genutzt werden soll, liegen nach Stolpes Angaben laut Studie zwischen 533 und 780 Millionen Euro.

Architekt Oswalt erklärte gestern, die Vorstellung der Studie sei „nichts mehr als politische Rhetorik, um die Belastungen für die öffentliche Hand zu verschleiern.“ Wie aus der Studie hervorgeht, gibt es allein beim U-Bahn-Bau, je nach Szenario, preisliche Unterschiede im zweistelligen Millionenbereich. Hinzu kommen die Kosten für den Abriss der Betonwanne des Palastes der Republik, die von Experten auf bis zu 30 Millionen Euro geschätzt werden. Als riskant stuft das Gutachten auch die geplante ergänzende Bebauung des Schlossplatzes mit einem Fünf-Sterne-Plus-Hotel und einer Tiefgarage ein. Der Grund dafür ist, dass es bereits viele Hotels dieser Kategorie in Berlin gibt und nur wenige große Hotelketten noch nicht in Berlin vertreten sind. Auch beim Bau der Tiefgarage warnen die Gutachter vor Risiken. Selbst bei der eingeplanten festen Vermietung eines Viertels der Stellplätze an den Hotelbetreiber sei bei der Tiefgarage „erst mittelfristig mit einem rentablen Betrieb zu rechnen“. Der Mittelwert der veranschlagten Baukosten habe sich in der Studie zwar mit 670 Millionen Euro gegenüber früheren Berechnungen nicht verändert, so die Architekten. Weil sich aber der Anteil öffentlicher Flächen verringert habe, seien die Baukosten bezogen auf die Nutzfläche drastisch gestiegen.

Das Bundesbauministerium erklärte gestern, die Regierung habe „kein Interesse daran, Kosten groß oder klein zu rechnen. Bauminister Stolpe habe schon bei der Vorstellung der Ergebnisse der Studie darauf hingewiesen, dass weitere Einzeluntersuchungen folgen müssten. Das ändere „nichts an der Tatsache, dass alle an dem Projekt Beteiligten günstige Möglichkeiten für die Neugestaltung des Schlossareals sehen“, so ein Ministeriumssprecher.

Dass sich die Architektengruppe, die sich seit längerer Zeit für den Erhalt des Palastes einsetze, gegen den Wiederaufbau des Schlossareals ausspreche, sei „nicht verwunderlich.“

Die Architekten von „Urban Catalyst“ sind ein Forschungsverbund, der sich bereits erfolgreich für die Zwischennutzung des Palastes der Republik eingesetzt hat.

Berliner Zeitung, 06.09.2005