Architekt Franco Stella kämpft um sein Stadtschloss
Der italienische Architekt Franco Stella schaltet sich erstmals in den Streit um die Auftragsvergabe für das Berliner Stadtschloss ein. Er habe nach wie vor die architektonische Federführung. Damit wandte er sich gegen den Angriff des im Wettbewerb unterlegenen Architekten Hans Kollhoff.
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Das Bundesbauministerium, das über das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) als Bauherr fungiert, hatte bereits am Mittwoch deutlich gemacht, dass dies ein völlig normaler Vorgang sei. Die Weitergabe von Teilleistungen durch den Wettbewerbssieger sei nicht zu beanstanden. Rechtlich anfechtbar wäre dieses Konstrukt nur gewesen, wenn das BBR selbst Teilleistungen an andere Büros vergeben hätte. Einziger Vertragspartner des Bauherrn ist nach Auskunft des BBR jedoch Franco Stella.
„Es war Professor Stella selbst, der Kontakt mit den Partnerbüros aufgenommen hat“, sagt auch der Anwalt des Italieners. Mit diesen habe Stella dann vereinbart, „welche Teilleistungen er erbringt und welche Teilleistungen die Partnerbüros unter seiner Federführung zu erbringen haben“. Damit seien die formalen Kriterien des Vergaberechts eingehalten worden. „Es hat keinerlei Interventionen des Auftragsgebers gegeben, welche Architekturbüros Stella im Rahmen der von ihm zu erbringenden Architekturleistungen unterbeauftragt“, so Pietzcker.
Kollhoffs Rüge richtet sich gegen das Bauministerium
Pietzcker betonte, dass das Verfahren vor dem Bundeskartellamt zwischen Kollhoff und der Bundesrepublik geführt werde. Sein Mandant sei lediglich beigeladen.
Angesichts der für den Laien schwer zu durchschauenden formaljuristischen Gemengelage gerät leicht ins Hintertreffen, wobei es bei der Auseinandersetzung eigentlich geht. Mit Baukosten von knapp einer haben Milliarde Euro ist das Kulturbau-Projekt ein schwerer Brocken, den ein kleines Büro, wie es der in Genua lehrende Architekturprofessor unterhält, auf keinen Fall allein stemmen kann. Stella hatte sich deshalb bereits kurz nach Bekanntgabe seines Sieges im Schloss-Wettbewerb deutsche Partnerbüros gesucht. Anfang des Jahres hatte es deshalb viel Kritik aus der Architektenschaft gegeben: Schließlich geht nun ein Großteil der Planungsarbeiten – und des Architektenhonorars – an Büros, die im Wettbewerb unterlegen waren – und nicht an den Gewinner des 1. Preises, Franco Stella.
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Berliner Morgenpost, 28.08.2009
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