„An mir zerrt es aus allen Richtungen“

„An mir zerrt es aus allen Richtungen“

Interview mit Verkehrsminister Peter Ramsauer:

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Sie sind auch Bauherr des Berliner Stadtschlosses. Wollen Sie eine Kuppel?
Ich bin an den Beschluss des Deutschen Bundestages gebunden. Darin sind Ausmaß und Baukosten genau festgelegt – 552 Millionen Euro plus Steigerung nach dem Preisindex. Das heißt auch, dass 80 Millionen Euro Spenden nötig sind, plus Verwaltungskosten für das Sammeln.
Was tun Sie, damit möglichst viele Bürger und Unternehmen spenden?
Es gibt schon größte Anstrengungen. Von den 80 Millionen Euro ist binnen drei Jahren gerade mal eine Million zusammengekommen. Das macht mich nicht übermäßig euphorisch, dass zusätzliche 50 oder 100 Millionen Euro für die historische Kuppel oder für echten Stuck und Bildhauerarbeiten in den historischen Innenhöfen zusammenkommen. Es freut mich jedoch, dass die Spendenbereitschaft seit dem Gerichtsurteil im Dezember deutlich zugenommen hat.
Was passiert, wenn das Geld nicht reicht?
Der Bauherr bestimmt, wie gebaut wird, nicht der Architekt. Ich habe schon viel gebaut in meinem Leben und mich immer durchgesetzt. Ich will keinen Krach. Und Franco Stella möchte ebenfalls keinen Streit. Grundsätzlich gilt: Wer mehr Geld für das Berliner Schloss haben will, muss sagen, woher es kommen soll.
Sollte man dann nicht den Bau aufschieben, bis genug Geld da ist?
Bei einem Projekt in dem Ausmaß kann man immer das ein oder andere Modul herausnehmen, wenn das Geld nicht reicht. An mir zerrt es aus allen Richtungen, eine Alternative sehe ich nicht. Ich kann mir kaum vorstellen, dass mir der Finanzminister weitere 50 Millionen Euro gibt, weil er zum Beispiel eine historische Kuppel so schön findet. Wenn die Spenden ausbleiben, wird er mir sagen, dass ich aus meinem Etat etwas beisteuern muss. Der Betrag, den die Kuppel kostet, entspricht zehn Ortsumgehungen, oder acht Kilometern vierspuriger Autobahn. Sie dürfen raten, welche Alternative die Abgeordneten besser finden.
Wann beginnt der Bau, wann ist er fertig?
Im Frühjahr 2011 reichen wir den Bauantrag ein, im Sommer ist Baubeginn. Ende 2016 sollen die Bauarbeiten fertig sein. Ende 2017 könnte dann die Eröffnung stattfinden – vorausgesetzt, alles verläuft exakt nach Plan.
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Der Tagesspiegel, 01.03.2010