Amerikaner für das Stadtschloss
Der Förderverein wirbt in Washington und New York um Spender für das Berliner Humboldt-Forum
Eva Schweitzer
Kathleen King von Alvensleben ist halbe Berlinerin und halbe Amerikanerin. Die Architektin, die in der deutschen Hauptstadt lebt und aus Arizona stammt, ist die US-Repräsentantin des Fördervereins Berliner Stadtschloss. Ihre Aufgabe ist es, in den USA um Spenden für die Fassade des zur DDR-Zeit abgerissenen Schlüter-Baus zu werben, der nach dem Willen des Bundestags wiedererrichtet werden soll. In den vergangenen Tagen hat sie zusammen mit Vereinschef Wilhelm von Boddien in Washington und New York für das Projekt geworben. In Washington gab der deutsche Botschafter Klaus Scharioth ein Diner, bei dem die Gäste um Spenden gebeten wurden. Ehrengast war der 84-jährige Henry Kissinger, früherer Außenminister der USA, der in der NS-Zeit mit seinen Eltern nach Amerika flüchtete. „Die Rekonstruktion wird Berlin wieder mit der europäischen Tradition verbinden und Berlin sein kulturelles Herz und seine Seele wiedergeben“, sagte er. In New York sprachen Boddien und Alvensleben mit Günter Blobel, dem Nobelpreisträger und Professor für Biologie an der Rockefeller University. Blobel steht dem Verein „Friends of Dresden“ vor, der in den USA Spenden für den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche sammelte. Blobel will auch die Schlossenthusiasten unterstützen. Auch andere Prominente haben Hilfe zugesagt haben, darunter Ronald S. Lauder, der Vorsitzende des World Jewish Congress oder der Architekt Ieoh Ming Pei sowie Richard Baron Cohen, ein Sammler von historischen Porzellan. „Cohen besitzt sogar wertvolles Geschirr aus dem 18. Jahrhundert, das mit Bildern des Stadtschlosses bemalt ist“, erzählt Alvensleben.
Seit einem Jahr sind Spenden an den Förderverein Berliner Stadtschloss nach US-Recht steuerlich absetzbar. „Sonst spenden die meisten Amerikaner nicht. Das ist genauso wie in Deutschland“, sagte Alvensleben. Im ersten Jahr sei man noch beschäftigt gewesen, ein Netzwerk an Unterstützern in den USA aufzubauen, deshalb seien bislang nur einige hunderttausend Dollar hereingekommen.
Das nächste Großereignis ist ein Galadinner bei Richard Baron Cohen. Seine Villa soll mithilfe von Diaprojektoren so ausgeleuchtet werden, dass sie wie das Stadtschloss erscheint. „Wer will, kann für einen bestimmten Teil der Fassade eine Spende geben – für ein Fenster, ein Geländer, ein Portal, einen Löwenkopf“, sagt Alvensleben.
Unterkommen soll im Schloss einst das „Humboldt-Forum“ mit den Sammlungen aus den Dahlemer Museen und Exponaten der Humboldt-Universität, laut Alvensleben „genau die Art von Nutzung, die Amerikaner gerne unterstützen“. Man geht davon aus, dass die meisten US-Bürger, die spenden wollen, Deutsch-Amerikaner sind. Und die stellen immerhin 25 Prozent der Bevölkerung der USA.
Berliner Zeitung, 10.03.2008
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