Alten Stadtkern wieder bebauen
Der Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz hat sich für eine Bebauung des historischen Stadtkerns von Alt-Berlin zwischen Fernsehturm und Spree ausgesprochen.
Der Neubau des Stadtschlosses als Humboldt-Forum dürfe nicht der Schlussstein bei der Rückgewinnung des historischen Stadtraumes der Hauptstadt sein. „Gegenüber dem Schloss und dem Rathaus war nie eine Brach- und Grünfläche, über die im Winter der Wind fegt. Hier ist das Herz, die Keimzelle der Stadt, wo Berlin geboren wurde. Das müssen und können wir zurückgewinnen.“
Schmitz schlägt eine zeitgemäße Orientierung an den alten, heute verschwundenen Straßenverläufen vor sowie eine Bebauung mit Wohn- und Geschäftshäusern und Hotels unter Einbeziehung des früheren Marx-Engels-Forum mit den Denkmälern der beiden Philosophen. Schmitz sieht hierin eine konsequente Fortführung des „Planwerks Innenstadt“ des früheren Senatsbaudirektors Hans Stimmann.
Zu der städtebaulichen Rückgewinnung gehören für Schmitz auch Plätze wie der Spittelmarkt oder der Molkenmarkt, „Plätze, die heute keiner mehr kennt, weil sie zu DDR-Zeiten brutal abgeräumt worden sind.“
Eine Wiederbebauung sei in der rot-roten Koalition jedoch umstritten, weil die Linke offenbar der Ansicht sei, solche städtischen Freiflächen seien eine Errungenschaft der DDR-Architektur. „Da bin ich ganz anderer Ansicht. Das waren ideologisch bestimmte Freiräume, die sich nicht an der gewachsenen Stadtstruktur orientierten. Wir müssen hier handeln dürfen und sollten uns auch von möglichen Restitutionsansprüchen nicht abschrecken lassen.“
Schmitz beklagt in diesem Zusammenhang das immer wieder bemerkbare „kurze historische Gedächtnis der Stadt“ und regt eine Ausstellung im Stadtmuseum an, die den Berlinern mit historischen Fotografien ins Gedächtnis ruft, wie ihr Stadtzentrum noch bis weit in die 60er-Jahre ausgehen hat. Schließlich dürfe man auch mit Stolz daran erinnern, wer in diesem Innenstadtbereich in Berlin früher alles gewohnt hat: Am verschwundenen Neuen Markt habe sich zum Beispiel der Geburtsort von Henriette Herz befunden sowie der Wohnort von Karl-Friedrich Schinkel und Moses Mendelssohn.
Für das Stadtmuseum gab Schmitz bekannt, dass der international renommierte Architekt HG Merz die Innenausgestaltung der neuen ständigen stadthistorische Ausstellung zum 20. Jahrhundert im Marinehaus vornehmen wird.
Angesichts der historischen Bedeutung des alten Stadtkerns findet Schmitz es bedauerlich, dass wie von Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) bisher vorgeschlagen der Autoverkehr nach wie vor zwischen Stadtschloss und Museumsinsel hindurchgeführt werden soll. „Hier muss ein innerstädtischer Raum geschaffen werden, der beides verbindet. Man wird keine Lösung finden, die alle zufrieden stellt. Aber der Autoverkehr Unter den Linden sollte schon auf ein Minimum beschränkt werden.“
Berliner Morgenpost, 12.04.2009
Deutsch
English
Francais
