Ach, wie schön wäre es, wenn das Berliner Schloss schon stünde
Kopfnoten
Es gibt Tage, und es werden immer mehr, da wünscht man sich, man wäre aufgewacht und das Berliner Stadtschloss würde schon stehen. Einfach so. Dann hätte man es endlich hinter sich. Die jeden Tag immer neuen Meldungen über den Stand der Finanzierung, über die Konzeption, die Nutzung, darüber, ob nun vier oder drei Seiten oder gar keine originalgetreu dem alten Hohenzollernschloss nachgebaut werden soll. Vor allem hätte man hinter sich, dass jede Woche sich ein neuer Bedenkenträger verbreiten durfte. Dass Daniel Libeskind sich am Konzert der Meinungshaber bis jetzt noch nicht beteiligt hatte, fiel uns eigentlich erst auf, als er es jetzt tat. Kein Postkartenschloss brauche Berlin, hat er gesagt, man könne Geschichte nicht einfach so zurückspulen, man könne nicht so tun, als wäre nichts geschehen. Was jetzt nottäte, wäre eine kreative Architektursprache, die Erinnerung müsse mit einem zeitgenössischen Entwurf wachgehalten werden. Hat er gesagt.Man muss nicht allzu genau hinhören, um die eigentliche Nachtigall trapsen zu hören. Ach, piepst es da zwischen den Zeilen laut, da hätte ich nun auch gerne gebaut. Alle mögen das Schloss?
Die Welt, 01.10.2007
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