Ach, wäre er doch einer wie Schinkel

Ach, wäre er doch einer wie Schinkel

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Als er jetzt im Atelier von Franco Stella, den er respektvoll Maestro nannte, vor dessen Schlossmodell stand und aufmerksam zuhörte, wollte man schon hoffen, das Aufrechnen habe ein Ende, zumal der klavierspielende Minister seine kleine Rede mit „Bei uns in der Musik …“ begann. Er stehe voll und ganz hinter diesem Projekt, versicherte Peter Ramsauer, lobte den „Maestro“ und den tapferen Spendensammler Wilhelm von Boddien und erhob das Berliner Schloss zum „geschichtsträchtigen Symbol für die Wiedervereinigung“.
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Und natürlich plant das Büro Stella auch darum ein Schloss mit Kuppel. Man sitzt jedoch nicht nur über den Entwürfen, sondern – obwohl der Bauherr daran zu zweifeln scheint – berechnet auch penibel, was wie viel kosten würde. Der Vorentwurf für eine geschlossene Kuppel – auch die Bundesregierung hatte im Juli 2007 verkündet, sie sei Teil der Planung – bleibt selbstverständlich im vorgegebenen Kostenrahmen. Ob sie jedoch dereinst ihre Anmut nach historischem Vorbild wird entfalten können, mit einer schönen Laterne (deren Entwurf fürs gesprengte Original auf Gottfried Schadow zurückgehen soll), mit Balustraden, Profilierungen, Figuren und einem Kreuz obendrauf, das wird wohl doch von den Spenden der Bürger abhängen. Die unscharfen Hinweise des Bundesbauministeriums, Teile der historischen Fassaden könnten auch zeitlich versetzt (was wohl heißen soll, je nach Haushaltslage) hergestellt werden, haben einen nicht gerade kleinen Haken.
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Das Ökonomische und das Ästhetische als letztlich fiskalischer Konflikt hat sich am Berliner Schloss während seiner langen Geschichte immer mal wieder entzündet: 1817 fand der sparsame König zum Beispiel die sehr überfällige Erneuerung der Balustradenfiguren an der Lustgartenseite zu teuer und vor allem überflüssig. Karl Friedrich Schinkel, der damals in Preußen in ästhetischen Fragen die Bauaufsicht führte, versuchte ihn umzustimmen. In seinem Gutachten, das sich wie ein Manifest zur Verteidigung des Schönen liest, begründete Schinkel nicht nur einleuchtend die Unverzichtbarkeit des kunstvollen Schmucks, sondern machte auch vernünftige Finanzierungsvorschläge. Er warnte zudem seinen König vor dem Ansehensverlust, was man heute vielleicht Imageschaden nennen würde: „Welch einen widrigen Eindruck würde es im Lande und im Auslande machen, wenn nach so glänzenden Ereignissen in der Geschichte das Königliche Schloss in Berlin eines Hauptschmuckes beraubt würde aus einem ökonomischen Grunde.“

FAZ, 16.04.2010