„Umstrittener Bibeltext: Claudia Roth verteidigt Idee fürs Humboldt-Forum“

02.11.2022 – Berliner Zeitung

Kulturstaatsministerin Claudia Roth stuft die Kuppel-Inschrift als bedenklich ein. Nun greift die Union das Thema auf – und beharrt auf das Fortbestehen des Schriftzugs.

Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) verteidigt die Idee, sich künstlerisch mit der Kuppel-Inschrift des Berliner Humboldt-Forums auseinanderzusetzen. Der Schriftzug gilt als umstritten. Vor rund einem Jahr hatte das Humboldt-Forum Überlegungen vorgestellt, den Spruch nachts mittels Leuchtdioden mit anderen Aussagen zu kontrastieren. Das Thema wurde nun in einer Anfrage der Unionsfraktion im Bundestag noch einmal aufgegriffen.

„Es ist erstaunlich und geschichtsblind zu meinen, diese von Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. selbst aus zwei Bibelzitaten zusammengestellte Inschrift für seinen Schlossbau sei einfach nur ein unpolitisches Zeichen von Religiosität“, teilte Roth am Mittwoch mit. Die Inschrift sei aus Sicht vieler Historiker eindeutig eine politische Botschaft, die den allein von Gott abgeleiteten Herrschaftsanspruch des Preußenkönigs untermauere.

Es zähle mit zu den Aufgaben des Intendanten des Humboldt-Forums, sich mit dem Ort des Humboldt-Forums, dem Berliner Schloss auseinanderzusetzen, teilte Roth mit.

Union: „Der Bibeltext auf der Kuppel muss sichtbar bleiben“

Die kulturpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Christiane Schenderlein, kritisierte in einer Mitteilung dagegen: „Der Bibeltext auf der Kuppel des Berliner Stadtschlosses muss sichtbar bleiben.“ Es gebe bereits eine Einigung, den Text in einer Tafel zu kontextualisieren. Das sei aus Sicht der Union schon ein Kompromiss, der völlig ausreiche. „Eine als ‚Kunstinstallation‘ deklarierte Überblendung des Bibeltextes lehnen wir vehement ab.“ Es sei zu befürchten, dass im nächsten Schritt das Kreuz auf der Kuppel infrage gestellt werde.

 

Quelle: Berliner Zeitung, 02.11.2022

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2 Kommentare zu “„Umstrittener Bibeltext: Claudia Roth verteidigt Idee fürs Humboldt-Forum“

  1. Eine Frau Roth als Kulturstaatsministerin ist in Deutschland eine einzige Katastrophe, das hat nicht zuletzt die documenta fifteen bewiesen. Als Kulturstaatsministerin im Iran (wenn Frauen dort überhaupt dieses eventuell vorhandene Amt bekleiden dürfen) würde sie sich dagegen wohl verdient machen.

  2. Das Humboldt-Forum wurde im Erscheinungsbild originalgerecht teilrekonstruiert! einschließlich Turm! Das Bauwerk zeigt korrekt seine architektonischen, kultur- und religionshistorischen Zeitschichten.
    Wenn Frau Roth den Spruch als Zeugnis einer vergangenen Epoche nicht ertragen kann, weil es dem heutigen, arroganten, „politisch korrekten“ Zeitgeist und ihrer eifernden Weltoffenheit nicht entspricht, gibt es nichts zu rechtfertigen: weder die naive Geschichtsvergessenheit der Kultur-Staatsministerin, noch ihr Versuch, den vom Schlossplatz aus kaum lesbaren Spruch auszutilgen und durch ein LED-Erleuchtungs-Bild (oder Spruch) auffällig zu überstrahlen!
    Frau Roth müsste dann konsequenterweise auch an alten Kirchen Schmuckelemente abmeißeln, in Museen Bilder und Kunstwerke verhängen, in Schlössern Sinnbilder aus feudaler, also undemokratischer Zeit „umkontextualisieren“ und bilderstürmerisch zu vernichten. Das ganze Humboldt-Forum ist gefüllt mit Artefakten aus früheren, undemokratischen und nicht weltoffenen Kulturen. Warum müssen wir am Gebäude ein zu den Kulturen der Welt passendes Beispiel aus deutscher Vergangenheit unbedingt verstecken?

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