„Pro & Contra Entsiegelung“

31.08.2022  Tagesspiegel Checkpoint

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In der Verwaltung ist die Entsiegelung bereits in vollem Gang, wie der wöchentliche Blick auf die Dienstsiegel-Verlustmeldungen im Amtsblatt zeigt – auf den Straßen und Plätzen geht es schleppender voran: Dort dominieren Stein und Beton. Gestern hatten wir Sie hier gefragt: Aus welchen grauen Parkplätzen würden Sie gerne grüne Park-Plätze machen, der Umwelt um dem Klimaschutz zuliebe? In vielen Zuschriften wurde natürlich der Alex genannt und das gerade zugepflasterte Kulturforum sowie der Fehrbelliner Platz, aber auch nahezu jeder meist nur halb gefüllte Supermarkparkplatz. Einsam an der Spitze aber steht die neue, steinerne Fläche rund um das Humboldtforum – vornehmere Leserinnen und Leser sprechen hier von „Betonwüste“, „Bratpfanne“, „Ignoranz“ und „Skandal“, die härten Stimmen ersparen wir Ihnen. Aber mal ernsthaft gefragt: Wie kann so etwas heute noch passieren?

Die Antwort der Stiftung Kulturforum erreichte uns gestern Abend um 21:32 Uhr – wir dokumentieren sie Ihnen hier:

Wir verstehen die Kritik und finden die aktuelle Diskussion um versiegelte Flächen wichtig und richtig. Die Gestaltung der Freiflächen rund um das Humboldt Forum liegt in den Händen des Landes Berlin und ist das Ergebnis eines Wettbewerbs, der 2012 von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt durchgeführt wurde. Ein paar Grünflächen sah die Planung allerdings vor: Auf der nördlichen Lustgartenseite schätzen wir die bepflanzten, noch nicht komplett fertig gestellten Schlossterrassen und den Richtung Spree gelegenen, noch jungen Hain aus Lederhülsenbäumen. Die rund zehn Bäume werden in den nächsten Jahren auf zwanzig Meter heranwachsen und dann, wie auch die noch junge Trauerweide an der Spreeterrasse, deutlich mehr Schatten spenden. (…)  Vor allem der südliche Bereich Richtung Breite Straße wurde in der Tat, auch in Anlehnung an den historischen Schlossplatz, sehr auf Steinmaterial reduziert. Am historischen Standort des Neptunbrunnens, der heute vor dem roten Rathaus steht, würde zur Aufenthaltsqualität besonders in den heißen Monaten des Jahres unserer Ansicht nach auch heute ein Brunnen, wie übrigens auch die geplante Freitreppe zum Spreekanal, beitragen.“

Es gibt allerdings auch eine Gegenbewegung: „Solange neu angelegte ‚Grünflächen‘ in Berlin weiterhin aus Granitpflaster mit ein paar dürren Bäumchen (wenn überhaupt) und viel Rasen, der mangels Pflege in kürzester Zeit vertrocknet, verunkrautet und vermüllt ist, bestehen, habe ich keinen Bedarf“, schreibt zum Beispiel unser Leser Jan Ackermann, und Juliane Witt, Stadträtin im BA Marzahn-Hellersdorf, teilt uns dazu mit: „Da hätte ich auch Interesse zu erfahren, welche BürgerInnen im Bezirk ihre Parkflächen vor der Tür gern entsiegelt haben wollen.“

Den „Rückbau der stadtzerstörenden Verkehrsräume“ hatte u.a. Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt gefordert, und die Architektenkammerpräsidentin Theresa Keilhacker sagte dem Checkpoint (Ausgabe 29.8.), Berlin sollte „vom Auto dominierte Flächen für andere wertvolle Nutzungen frei machen und in großem Stil entsiegeln, um die Versickerungsfähigkeit des Bodens zu vergrößern und damit dem Klimawandel standzuhalten“. Das wiederum empört den Architekten Alfons Hiergeist – er schreibt: „Nicht alle Bewohner (und auch nicht alle Architekten) wünschen sich nur Kiez-Strukturen und dörfliche Idyllen zurück.“

 

Quelle: Tagesspiegel Checkpoint, 31.08.2022

 

2 Kommentare zu “„Pro & Contra Entsiegelung“

  1. Ganz klar: immerzu Rückbau, immer gib ihm, bis ganz Berlin ein einziger Schrebergarten ist. Da fühlen sich die Schlümpfe wohl. Was eine Stadt ausmacht, wissen die rotgrünen Dummweltschützer ohnehin nicht. Sonst würden sie weder eine sterile Pflasterfläche anlegen noch ständig „Rückbau, Rückbau“ schreien. Es sind eben bildungs- und kulturferne GenossInnen.

    1. Sehr geehrter Herr Gottlieb, bitte mäßigen Sie ihren beleidigenden Ton, konstruieren Sie bitte keine parteipolitischen Zusammenhänge und bringen Sie bitte vor allem Ihre Ansicht und die stützenden Argumente zur Sache vor. Dann wird man Ihre Äußerung auch ernstnehmen. So wie hier geht es nicht.

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