„Die „Wippe“ wird nicht rechtzeitig fertig“

11.08.2022  –  FAZ

Einheitsdenkmal kommt später

Das Freiheits- und Einheitsdenkmal vor dem Berliner Schloss sollte zum Nationalfeiertag am 3. Oktober vollendet sein. Jetzt gibt es Lieferschwierigkeiten bei der Stahlschale.

as Freiheits- und Einheitsdenkmal vor dem Berliner Schloss wird nicht wie geplant zum 3. Oktober dieses Jahres fertig. Wie ein Sprecher von Kulturstaatsministerin Claudia Roth mitteilte, habe der Sieger des Gestaltungswettbewerbs, die Stuttgarter Agentur Milla & Partner, Lieferschwierigkeiten bei der Stahlschale des Denkmals. Der Entwurf für die „Wippe“, wie das unter dem Titel „Bürger in Bewegung“ präsentierte Projekt im Volksmund ge­nannt wird, hatte sich 2010 in einem geschlossenen Verfahren gegen 27 konkurrierende Einreichungen durchgesetzt.

Im November 2016 stellte der Haushaltsausschuss des Bundestages überraschend 18,5 Millionen Euro für den Wiederaufbau der Kolonnaden des einstigen Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals aus dem Deutschen Kaiserreich anstelle des Einheitsdenkmals zur Verfügung. Der Bundestagsausschuss für Kultur und Medien wiederum reagierte mit einem Fachgespräch im Januar 2017, dessen Teilnehmer sich mehrheitlich für den Entwurf von Milla & Partner aussprachen. Eine nächtliche Abstimmung des Parlaments im Juni desselben Jahres ergab eine Mehrheit für das Projekt „Bürger in Bewegung“ mit den Stimmen der Regierungsfraktionen der Großen Koalition und der Grünen.

Geplant ist eine begehbare Schale mit fünfzig Me­ter Länge und hundertfünfzig Tonnen Gesamtgewicht, die auf einem stählernen Tragwerk ruht. Befinden sich mehr als zwanzig Personen auf ei­ner Seite, beginnt sich die Schale zu neigen. Der Baubeginn erfolgte nach einer aufschiebenden Klage des Berliner Naturschutzbunds im Mai 2020, für die Baukosten wurde ein Festpreis von 17 Millionen Euro vereinbart. Die jährlichen Betriebs- und Unterhaltskosten für das Objekt sind mit etwa zweihunderttausend Euro veranschlagt.

 

Quelle: FAZ, 11.08.2022

 

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4 Kommentare zu “„Die „Wippe“ wird nicht rechtzeitig fertig“

  1. Von der absoluten Mehrheit des Volkes wird diese Wippe aber abgelehnt. Zumai an dieser Stelle. Es gab alternative Standorte, z. B. vor dem Reichstag, die aber grundsätzlich abgelehnt wurden. Das Architektenbüro griff in die Diskussion in verschiedenen Foren rigoros ein und setzte sich durch. Warum wird in einer nächtlichen Abstimmung derart Wichtiges beschlossen und abgesegnet? Die Kolonnaden würden architekonisch absolut besser zum Schloß, äh Humboldt – Forum passen und auch der angeführte Ort als der politischer Demonstrationen gegen das DDR- Regime 1989 entbehrt aller Logik. diese fanden eher auf der Seite des Marx – Engels – Forums statt.

  2. Schade das man als Bürger dieses Staates nicht mehr mitbestimmen kann, welches Denkmal errichtet werden soll.
    Nachdem nun feststeht, was für ein Denkmal gebaut werden soll, bleibt für mich nur noch die Forderung, an dem Denkmal eine Tafel mit den Namen der Verantwortlichen für die Gestaltung und Bau des Denkmals anzubringen (Künstler , Architekten und die politischen Parteien) und so dem Normalbürger kenntlich zu machen , wer für dieses “ Kunstwerk “ verantwortlich ist.
    Außerdem empfehle ich , statt das Monstrum als – Freiheits- und Einheitsdenkmal zu bezeichnen ,
    lieber den Namen : B ananen-
    R epublik –
    D enkmal-
    zu geben.

  3. Schlimm, daß dieses lächerliche Monstrum nicht verhindert werden konnte. Ich hoffe aber daß es in absehbarer Zeit wieder abgebaut wird. Verantwortlich für die Durchsetzung des Monstrums in der Nachtsitzung ist in erster Linie Norbert Lammert, der lustige ehemalige Bundestagspräsident. Er wollte ein Exempel in Sachen parlamentarische Demokratie statuieren, damit das Volk weiß, wer hier das Sagen hat.

  4. ElNST NATIONALDENKMAL, JETZT FREIHEITS-UND EINHEITSDENKMAL

    Schade, am 22. Sept. 2022 gelangte ich mühevoll und stand vor dem Eosander-Portal, über unebene Baustellenwege und Absperrungen ohne Zufahrt zu Fuß bin ich dorthin gekommen.
    Ich sah einen chaotischen Baustellenbereich vom unfertigen Denkmal, der sich bis an den Schlosseingang ausgebreitet hatte. Eigentlich eine Schande, dass die markante Zielsetzung der Inbetriebnahme des Denkmals am 3. Oktober 2022, dem Tag der Deutschen Einheit in weite Ferne gerückt ist!
    Auch gewann ich den Eindruck, dass die Proportionen des vorhandenen Denkmalsockels
    unpassend sind. Frage an die Verantwortlichen: Wurde ein maßstabsgerechtes Modell Denkmal/Schloss erstellt, um eventuelle Proportionsfehler zu erkennen?
    Ich verlange eine öffentliche Stellungnahme der Verantwortlichen zum Thema.
    Mit freundlichen Grüßen
    Dietmar Philipp

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