„Humboldt Forum erlaubt Blick auf umstrittenes Spruchband“

13.10.2021  –  Berliner Morgenpost

Mit der Öffnung der Dachterrasse auf dem Berliner Humboldt Forum ist erstmals ein umfassender Blick auf das heftig umstrittene Spruchband um die Kuppel möglich. Die Kombination aus mehreren Bibelstellen verlangt die Unterwerfung der gesamten Menschheit unter das Christentum.

Neben dem Kreuz auf der Kuppel und der barocken Fassade gehört der in riesigen Goldlettern gefasste Satz zu den am meisten kritisierten Details des rund 680 Millionen Euro teuren Zentrums für Kunst, Kultur und Wissenschaft.

„Alle Institutionen im Humboldt Forum distanzieren sich ausdrücklich von dem Allgemeingültigkeits- und Herrschaftsanspruch des Christentums“, zitierte der für den Bau zuständige Technikvorstand Hans-Dieter Hegner am Mittwoch aus einem Text, der künftig auf einer Tafel über den Kuppelbau informieren soll. Die Kuppel sei ein „bauhistorisches Zitat im Rahmen der Schlossrekonstruktion“.

Die rund 1800 Quadratmeter große Dachterrasse in rund 30 Metern Höhe erlaubt einen atemberaubenden Rundumblick auf die Mitte Berlins. Der kostenfreie Zugang für bis zu 400 Menschen soll bis Mitternacht möglich sein. Zum fünf Millionen Euro teuren Dachausbau gehört auch ein Restaurant, das nach der französischen Naturforscherin Jeanne Baret benannt ist.

Zudem sind Kunstwerke auf dem Dach zu entdecken. „Insurgentes Sur“ thematisiert eine goldene Silhouette von Berlins Partnerstadt Mexiko-City, die sich optisch in das Berliner Stadtbild einpasst. Ende des Jahres soll zudem eine Klanginstallation des aus Nigeria stammenden Künstlers Emeka Ogboh zu hören sein.

Seit September sind erste Teile von Ethnologischem Museum und Museum für Asiatische Kunst in der zweiten und dritten Etage des Westflügels zu sehen. Das Humboldt Forum war nach jahrelangen Diskussionen und einigen Verzögerungen im Juli in einem ersten Schritt eröffnet worden.

Das rund 40 000 Quadratmeter umfassende Gebäude im Herzen Berlins teilen sich die Museen der Stiftung, das Land Berlin, die Humboldt-Universität und die Stiftung Humboldt Forum. Gezeigt werden Exponate aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien sowie Objekte zur Geschichte Berlins.

Umstritten ist nicht nur das Gebäude, sondern auch der Inhalt. Gezeigt werden sollen unter anderem Benin-Bronzen. Die Kunstwerke stammen größtenteils aus den britischen Plünderungen des Jahres 1897, von manchen Experten werden sie deswegen als Hehlerware bezeichnet. Es sind Objekte aus dem Palast des damaligen Königreichs Benin, aktuell verhandeln Deutschland und Nigeria über Rückgaben. Die Bronzen sind in zahlreichen deutschen Museen zu finden.

© dpa-infocom, dpa:211013-99-582469/2

 

Quelle: Berliner Morgenpost, 13.10.2021

 

2 Kommentare zu “„Humboldt Forum erlaubt Blick auf umstrittenes Spruchband“

  1. Ich übe hiermit eine sachliche Kritik zum Beitrag der Berliner Morgenpost.
    Die neue Hülle des ehemaligen barocken Schlosses mit Kuppel und dem Bibelspruch finde ich völlig in Ordnung. Erhält doch damit Berlin in seiner historischen Mitte ein geschichtsträchtiges Bauwerk zurück. Es gehört auch dazu, dass wir heute als europäische Demokraten entsprechend zur Geschichte stehen, mit allem wenn und aber!
    Zu einigen musealen Exponaten möchte ich raten, dass die Verantwortlichen Kopien anfertigen lassen,
    diese aufstellen und die Originale dem Ursprung zugeleitet werden. Dies erspart Ärger und Deutschland würde an Ansehen gewinnen.

  2. Als ich gestern die Biografie von Wolfgang Joop ausgelesen hatte, worin er die damalige Freude um den (ost!)berliner Fernsehturm beschrieb, kam mir folgender tröstlicher Vergleich in den Sinn: Die atheistische Staatsdoktrin musste mit dem Kreuz leben, das sich bei jedem Sonnenstrahl auf der glänzenden Kugel zeigte, ein optisches Wunder, wie „himmlische Rache“.
    Ja, so müssen sich heutige Atheisten damit abfinden, dass da oben mal ein Spruchband war, das man – so verdunkelt wie es durch Zeit und Krieg war – nicht bemerkt hatte und nun wunderbar klar wiedererstanden ist. Noch ist Deutschland mit seiner Hauptstadt ein christliches Land!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.