„Ab Samstag ist der Himmel über dem Humboldt Forum geöffnet“

14.09.2021  –  B.Z. Berlin

 

Von Martina Hafner

Die Besucher haben künftig einen grandiosen Blick über Berlin – und zwar gratis! Am Samstag eröffnet um zehn Uhr die 1800 Quadratmeter große Dachterrasse des Humboldt Forums, per Rundgang sieht man die Stadt aus 30 Metern Höhe. Und kann im Restaurant „Baret“ einkehren.

Allerdings dürfen aus Sicherheitsgründen immer nur 400 Menschen gleichzeitig nach oben, auch wenn kein Eintritt verlangt wird. Termine dafür zu buchen, ist nicht möglich, man meldet sich am Counter in der Treppenhalle, wenn Kapazitäten frei sind, geht’s mit dem Aufzug aufs Dach.

Man ist dort der umstrittenen Inschrift am Sockel der Kuppel nahe, kann die Worte auf der blauen Umrandung gut erkennen. Die Kombination aus mehreren Bibelstellen verlangt die Unterwerfung der Menschheit unter das Christentum, sie entstand am ehemaligen Berliner Schloss auf Wunsch von Preußen-König Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861).

Um den Wiederaufbau des Schriftzugs im Zuge der Errichtung des 680 Millionen Euro teuren Neubaus tobte eine heftige Diskussion. „Alle Institutionen im Humboldt Forum distanzieren sich ausdrücklich von dem Allgemeingültigkeits- und Herrschaftsanspruch des Christentums“, betonte Technik-Vorstand Hans-Dieter Hegner (61).

„Die Kuppel ist ein bauhistorisches Zitat, ihre Geschichte wird auf Hinweistafeln entsprechend erklärt“, so Hegner weiter. Allerdings fehlen auf der insgesamt fünf Millionen Euro teuren Dachterrasse noch die Hinweisschilder, die die Kuppel, den Ausblick und mehrere Kunstwerke am Bau erklären sollen. Sie sind aufgrund der schwierigen Materialbeschaffung in Zeiten der Pandemie noch nicht fertig, so Hegner.

Bereit steht jedenfalls das Restaurant, benannt nach Naturforscherin Jeanne Baret (1740-1807), die als erste Frau die Welt umsegelte. Gastwirt Arthur Schuller (34) bietet dort künftig 144 Plätze an, das Interieur von Joscha Brose (40) nimmt Bezug auf Alexander von Humboldt (1769-1859). So weisen die Teppiche Motive von Illustrationen des Berliner Universalgenies auf, der Tresen ist aus Vulkangranit, ein Material, das an Humboldts Forschungsreisen erinnern soll.

Ganz billig wird das Speisen unter der Leitung von Küchenchef Octavio Oses Bravo (47) aber nicht, Hauptgerichte liegen zwischen 26 und 32 Euro, ein kleines Bier kostet 4 Euro.

 

Quelle: B.Z. Berlin, 14.09.2021

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.