„Eine Weltreise und ihre offenen Fragen“

20.09.2021  – Berliner Morgenpost

Im Humboldt Forum sind ab Donnerstag Teile der Präsentationen der Staatlichen Museen zu sehen.

Von Felix Müller

Nach den bereits eröffneten sechs Ausstellungen, darunter den Präsentationen des Stadtmuseums Berlin und der Humboldt-Universität, werden ab kommendem Donnerstag weitere große Teilbereiche des Humboldt Forums der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Es handelt sich dabei um die im Vorfeld besonders kontrovers diskutierten Präsentationen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst, deren Exponate vielfach aus kolonialen Kontexten stammen.

Rund 10.000 Objekte aus den Beständen der Dahlemer Häuser werden auf mehr als 8500 Quadratmetern Ausstellungsfläche in mehr als 30 Ausstellungsmodulen zu sehen sein. „Mit den Sammlungen Afrikas, Asiens, Ozeaniens und Amerikas im Humboldt Forum und jenen zur Kunst- und Kulturgeschichte Europas und des Nahen Ostens auf der Museumsinsel wird die Mitte Berlins zu einem wahren Ort der Weltkulturen“ teilten die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit.

Hartmut Dorgerloh, Generalintendant des Humboldt Forums, fasst das inhaltliche Profil des Hauses in der Wendung der „internationalen Dialogplattform“ zusammen. Bei der Vorstellung am Montag sagte er, die Ausstellungen der Museen seien „von entscheidender Bedeutung für das Gelingen des Gesamtprojekts“. Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, nannte die Museen das „thematische Rückgrat“ des Humboldt Forums.

Ein erster Rundgang zeigt das Bemühen des kuratorischen Teams, die Geschichte der Exponate offen zu problematisieren und Perspektiven der Herkunftsländer einzubeziehen. Gleich im zweiten Raum in der zweiten Etage findet sich die temporäre Installation „Ansichtssache(n)“, die bewusst auf Objekte verzichtet und anhand von Texten und Bildern in den ehemaligen Kolonialgebieten Kamerun, Namibia und Ozeanien auf Spurensuche geht.

Auf Informationstafeln zur Provenienzforschung wird auf der gesamten Ausstellungsfläche im Detail über den aktuellen Wissenstand Auskunft gegeben – auch beim im Vorfeld in die Debatte geratenen Luf-Boot aus der ehemaligen Deutschen Kolonie Deutsch-Neuguinea, das sich der Geschäftsführer der deutschen Handelsgesellschaft Hernsheim & Co. 1903 in der Südsee aneignete (großes Bild oben).

Zu den weiteren Ausstellungshöhepunkten zählen ein Hörraum im Ausstellungsbereich Musikethnologie, der Kuppelraum mitsamt Teilen eines buddhistischen Höhlentempels und das überbordende „Schaumagazin Afrika“. Ab Sommer 2022 sollen alle Bereiche des Humboldt Forums zugänglich sein.

 

Quelle: Berliner Morgenpost, 20.09.2021

 

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