„Humboldt-Forum: Spendensoll für umstrittene Fassade erfüllt“

29.11.2020 Berliner Zeitung

Die weitgehend nach historischem Vorbild rekonstruierte Fassade des Berliner Stadtschlosses gehört seit den ersten Planungen zum heftig umstrittenen Teil des neuen Humboldt-Forums. Die Realisierung war gebunden an ausreichend Spenden. Nun ist die Zielmarke erreicht.

„Das Spendenversprechen ist eingelöst“, teilte die Stiftung Humboldt-Forum mit. Für die Errichtung der barocken Außenfassade des inzwischen 677 Millionen Euro teuren Projekts seien 105 Millionen Euro gespendet worden.

Dies sei „vor allem und zum größten Teil dem unermüdlichen Einsatz von Wilhelm von Boddien, dem Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss“ zu verdanken, hieß es. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bedankte sich laut Mitteilung für „großherzige Gaben“.

Drei Seiten der gespendeten Fassade sind eine Rekonstruktion des 1950 zerstörten früheren Stadtschlosses der Hohenzollern. In der Zeit ihrer Herrschaft wurde das Deutsche Reich Kolonialmacht, von 1884 bis 1915 auch im heutigen Namibia. Dort wurden Aufstände von Volksgruppen unter deutschem Befehl brutal niedergeschlagen. Historikern zufolge wurden etwa 65.000 der 80.000 Herero und mindestens 10.000 der 20.000 Nama getötet.

Auch vor diesem Hintergrund wird bereits kontrovers über die koloniale Vergangenheit von Ausstellungsstücken diskutiert. Das Humboldt-Forum will sich nach eigenen Angaben offensiv damit auseinandersetzen.

Exponate aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien

Das riesige Kultur- und Ausstellungszentrum im Herzen Berlins nutzen nach mehreren Eröffnungsetappen von Ende 2021 an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit zweien ihrer Museen, das Land Berlin und die Humboldt-Universität. Gezeigt werden sollen Exponate aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien sowie Objekte zur Geschichte Berlins.

Zum ebenfalls gespendeten Teil gehört die Rekonstruktion von Kuppel und Kreuz auf dem Bau nach Plänen des italienischen Architekten Franco Stella.

Quelle: Berliner Zeitung, 29.11.2020

5 Kommentare zu “„Humboldt-Forum: Spendensoll für umstrittene Fassade erfüllt“

  1. Sind die neuen barocken Fassaden des Schloss-Bauwerks wirklich jetzt nach gelungener prachtvoller Fertigstellung noch so großenteils umstritten, dass die B.Z. das als Makel in die Überschrift aufnehmen muss? Und natürlich waren die Niederschlagungen der zahlreichen Aufstände nicht nur in Namibia, sondern auch in Ostafrika zwischen 1884 und 1915 schreiendes Unrecht und z. Teil auch Völkermord der deutschen Kolonialmacht. Aber was haben diese historischen Verbrechen mit den neuen rekonstruierten Fassaden des alten Berliner Schlossbauwerks von 1701/1714 zu tun? Damit soll doch auch den Spendern gleichsam noch ein bleibender Makel angelastet werden. Über die Exponate wird sicher im Zuge der Provenienzforschung viel diskutiert und manches aufzuklären sein. Aber das hat nichts mit den „umstrittenen Fassaden“ zu tun.

  2. Der 4. Absatz des Artikels ist sehr erstaunlich. Wie ist es möglich, den Zusammenhang zwischen einer im 18. Jahrhundert nach italienischem Vorbild in Berlin erbauten barocken Fassade zur Tötung der Herero im südlichen Afrika 20. Jahrhundert herzustellen ? Das ist bizarr. Natürlich war die grausame Tötung der Herero nicht in Ordnung und man muss daran erinnern. Denkbar wäre z.B. eine Ausstellung darüber im Schloss. Mit sachfremden Hinweisen tut man dem Gedenken an die Tötung der Herero keinen Gefallen.

  3. Es ist schon bedauerlich , wie etliche Zeitgenossen, mit fanatischer Selbstkasteiung ihre eigene Geschichte negieren. Ist diese Generation so traumatisiert, dass sie nicht mehr differenzieren kann. So gesehen müsste man die Restaurierung sämtlicher Schlösser ablehnen, da sie alle feudalistischen Ursprungs sind und nicht auf einem demokratischen Fundament stehen.

  4. Eigentlich wollte ich mich hier zum Thema Kolonialmacht/Aufstände/Völkermord nicht äußern, aber da der Artikel in der B.Z. wieder einmal die üblichen Unwahrheiten von den damaligen Ereignissen im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika verbreitet, möchte ich einen Link setzen der die tatsächlichen Abläufe darstellt. Die immer wieder verbreiteten falschen Zahlen und den falschen Ablauf des Aufstands haben ihren Ursprung in der DDR. Auf Weisung von ganz oben haben DDR-Historiker die politisch gewünschten Resultate „erarbeitet“.
    Natürlich hat dieses Thema hier im Schloss/Humboldt-Forum nichts verloren, da aber die B.Z. sich nicht scheut so etwas zu drucken, kann ich das hier auch mal schreiben.
    https://deutsche-schutzgebiete.de/wordpress/hereroaufstand/

  5. Die deutsche Miesmacherjournalistik hat ihr eigenes Ablehnungsvokabular. Dazu gehört ,,umstritten“. Auch ,,Instrumentalisierung“ – wie hier Instrumentalisierung der Vorgeschichte des Schlosses, Instrumentalisierung der Kaiserzeit, Instrumentalisierung des deutschen Kolonialismus. Hitler wurde wohl vergessen? Dafür aber ,,Mahnmal“ statt Denkmal wie auf Straßenschildern in Berlin (Mahnmal heißt Negativdenkmal).
    Den Damen und Herren der BZ empfehle ich zur Erweiterung ihres ideologischen Horizonts, sich auf “Aljazeera“ die Sendungen über den französischen Kolonialismus anzusehen.

    Als Highlight der Spendertageinszenierung sehe ich die Vollendung des versprochenen Spendenziels – eine von Herrn von Boddien äußerst gelungene Krönung seiner jahrzehntelangen Arbeit auch dahin – mit dem Effekt eines (zu wenig beachteten) „gags“. Leider wurde kein Blick in Räumlichkeiten gewährt. Stattdessen hatte die Stiftung Humboldt Forum am Abend zuvor (Freitag) gezielt ihre Eröffnungsankündigung verschickt – wollte wohl sagen, das Innere sei ihre Sache..

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